„Sie sind jetzt mein Anspeipartner!“ Manchmal ist die passende doch nicht die richtige Anrede.

 

Kerstin Köhler über Winterreifen, die Werkstatt und andere Winterwunder. 

Von Kerstin Köhler

Positiv Denken klappt auch nicht immer: Werkstatt und Frauen scheinen auch in der heutigen Zeit immer noch fremde Welten zu sein.

Da glaubt Frau ziemlich eindeutig gesagt zu haben, dass Winterräder nicht hässlich sein müssen. Sie sollen zum Auto passen. Die Werkstatt aber serviert Stahlfelgen. Die sind definitiv nicht gutaussehend.

Da hilft jetzt nur noch die klare Aussage: „Das Auto nehme ich so nicht mit.“

Und dann beweist sich der wahre „Werkstattkönner“: „Gut, dann bauen wir die Räder wieder ab. Ich kann ja nichts dafür.“ Das ist so ähnlich wie „Dafür bin ich nicht zuständig.“

Wofür denn sonst bitteschön? Wie oft muss noch ins Hirn gerammt werden: Jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin ist in jedem Falle und immer für die Kunden zuständig. Und im Übrigen: „Sie sind jetzt aber mein Ansprechpartner!“

Oder alternativ ein anderer Mitarbeiter: „Sie hätten doch am Preis erkennen müssen, was das für Räder sind.“ Excuse me? Natürlich kann ich anhand der Artikelnummer erkennen… Hallo!? Kundin muss hier gar nichts.

So, noch einmal zum auf den Unterarm tätowieren: Service-Mentalität zeigt sich in den Kleinigkeiten und im Umgang mit den Kunden bzw. der Kundin. (Auch wenn es schwerfällt, Jungs.) Und nicht darin, dass man überall Schilder aufstellt und die Kunden bittet, sich doch an der Umfrage des Herstellers zu beteiligen und unbedingt „sehr zufrieden“ anzukreuzen.

Wo bleibt denn jetzt das Positive?

Ach ja. Der o.g. Ansprechpartner in der Werkstatt war tatsächlich mein Anspeipartner. Ich habe mich am nächsten Tag entschuldigt. Er meint, dass es schön ist, mich lächeln zu sehen. Und das Auto hat nun  schicke Winterräder und sieht gut aus.

„Wenn ein Deutscher eine Maschine bedient, dann leuchten seine Augen. Wenn er einen Menschen bedienen soll, sträuben sich ihm die Haare.“ 
Günter Rexrodt

 

Foto: ANTROBIUS