Nicht ohne meinen Akku! Wie Digitale Eltern auch im Herbst den Spielplatz überleben.

Pixelpapas bereiten sich auf den Herbst vor. Zurecht: Denn digitales Leben kennt keine Jahreszeiten. Und Kinder fordern ständige Bereitschaft. Doch keine Sorge, es gibt Hilfe! Dr. Bieber über Spielplatz-WLAN, Smartphone-Handschuhe und die Oktobertauglichkeit von Device-displays.

von Christoph Bieber

Die Spielplatzsaison nähert sich dem Ende, nur noch für ein paar Wochen werden sich die Kleinen auf Schaukeln, Klettergerüsten, Rutschbahnen und Wippen austoben. Auch für das elterliche Begleitpersonal wird es nun schwieriger, denn nicht alle Smartphone-Displays sind für das Licht der tiefstehenden Oktobersonne gemacht. Nach mehrjähriger Annäherung an das Phänomen der vernetzten Kinderspielplätze liegt zwar noch keine methodisch sauber ausgearbeitete Studie vor, doch der privatempirische Eindruck ist deutlich: ohne mindestens 70% Akkuleistung begleitet kaum noch eine Mutter (und erst recht kein Vater) den Nachwuchs nach draußen.

Wohin man auch schaut: auf den am Rande der Anlage platzierten Bänken blinzelt das private Betreuungspersonal abwechselnd in Richtung Minidisplay und dann ins Gegenlicht zur Piratenschiffrutschbahnkletterinstallation – warum auch nicht, schließlich lassen sich „on-the-go“ ja doch noch ein paar Mails bearbeiten, Twittern geht auch, klar, und das ein oder andere Facebook-Update ist ebenfalls drin. Wie war das nur früher? Ach so, man könnte natürlich auch mit den anderen Eltern reden, wie es denn heute so im Kindergarten war, oder in der Mal- bzw. Musikschule. Oder im Englischunterricht. Na, vielleicht auch nicht – kam da nicht gerade noch eine Mail rein?

Die Digitalisierung der Spielplätze hat aber (mindestens) einen doppelten Effekt: es mag ja sein, dass die Eltern weniger miteinander reden, doch auch die Kinder registrieren die bisweilen exzessive Nutzung neuerer Kommunikationsgeräte in der Spielplatzöffentlichkeit (okay, iPads sind noch wirklich selten zu sehen). Auf die Nebenwirkungen der digitalen Überall-Kommunikation hat Sherry Turkle in ihrem letzten Buch „Alone Together“ aufmerksam gemacht – sie beschreibt dort viele Facetten des „tethered life“, des Angekettetseins an den digitalen Kommunikationsraum.

Und es geht natürlich auch nicht spurlos an den Kindern vorbei, dass sich ihre Eltern immer mal wieder virtuell aus dem Staub machen. Man muss dabei keinesfalls in die nächste Klagerunde über das böse, böse Internet einstimmen (analoge Spielplatzgespräche können auch sehr, sehr schwierig sein) – aber zumindest wird dadurch eine Normalität der mobilen Mediennutzung vermittelt, auf die der Nachwuchs bald zu seinen Gunsten hinweisen wird.

Was folgt auf die letzten Spielplatztage in der Herbstsonne? Ungemütliche und vor allem kurze Fastwinter-Nachmittage mit nasskalter Spielplatzmöblierung und der quälenden Ungewissheit, ob die gerade bestellten Smartphone-Handschuhe auch wirklich funktionieren.

Außerdem müsste man auch mal wieder bei der Stadtverwaltung nachfragen, ob der Antrag auf ein offenes Spielplatz-WLAN im Gemeinderat denn auch schon verhandelt wurde. Denn allen auch noch so ausgefeilten Kletternetzen zum Trotz, ein offenes Netzwerk in kommunaler Trägerschaft – das wäre für viele Eltern sicher ein Gewinn beim gemeinsamen Alleinsein in Kinderbegleitung.

 

Foto: The Library of Congress (auf Flickr veröffentlicht unter der Lizenz “The Commons”)