11 Punkte Vorsprung. Was kann die CDU jetzt von Hoeneß lernen?

 

Manchmal wird Politik zur schönsten Nebensache der Welt, sagt Bundeswahltrainer Thorsten Faas, zum Beispiel, wenn der deutsche „Classico“ auf dem Spielplan steht: Bayern gegen Dortmund, #fcb gegen #bvb, #miasanmia gegen #echteliebe.

Von Thorsten Faas

„Intensiv“ war das Spiel, „von der Taktik geprägt“, in der zweiten Hälfte auch „hochklassig“ – und am Ende stand ein 1:1-Unentschieden, mit dem gerade der BVB angesichts des Spielverlaufs hochzufrieden sein konnte.

Für die Bayern ist alles gut: Elf Punkte Vorsprung auf den ärgsten Verfolger (oder möchte jemand ernsthaft der Werkself aus Leverkusen diesen Titel verleihen?), früher Herbstmeister als je eine Mannschaft zuvor, die meisten Tore der bisherigen Saison, die wenigsten Gegentore, eine Tordifferenz von +35. +35!

Und doch: Dass die Bayern schon wieder nicht gegen den BVB haben gewinnen können, schmerzt die bayrische Seele – die Arena in schwarz-gelb, auch über den Tag hinaus, ein unerträglicher Gedanke für Uli Hoeneß und seinen Verein. Am Ende holen die emsigen Ruhrpott-Bienchen glatt die 11 Punkte Vorsprung wieder auf. Der Fußballgott möge uns davor bewahren.

Schnitt.

Was sagt uns das über den Bundesparteitag der CDU? In der jüngsten Forsa-Umfrage aus der vergangenen Woche liegt die Union bei 37% der Stimmen, die SPD bei 26%. 11 Punkte Vorsprung. Soweit ist alles gut, ist es nicht? Doch auch die Union scheint diesem Vorsprung nicht vollends zu trauen dieser Tage.

  • Dass Vorsprünge schmelzen können, hat man im Bundestagswahlkampf 2005 gelernt, als von einem Vorsprung, der laut Umfragen zuweilen bei über 20 Punkten lag, letztlich am Wahltag gerade einmal ein mageres Pünktchen übrigblieb.
  • Dass man sich für Vorsprünge zuweilen politisch wenig kaufen kann, diese Erfahrung droht der Union in Niedersachsen: Immerhin sieben Punkte liegt die Union dort jüngsten Umfragen zufolge vor der SPD – und doch stehen die Zeichen auf Rot-Grün. Die niedersächsischen Wähler scheinen die FDP nicht einwechseln zu wollen…
  • Dass man Vorsprünge nicht beliebig exportieren kann, hat am Wochenende die OB-Wahl in Karlsruhe gezeigt. 35% hat der Kandidat der CDU dort erreicht, gewählt wurde dagegen mit absoluter Mehrheit im ersten Wahlgang der Kandidat der SPD. KEINE Großstadt Baden-Württembergs wird damit mehr von der CDU regiert.
  • Und das löst Debatten darüber hinaus, ob man bei der CDU – was die Inhalte betrifft – im Vorsprung ist oder doch vielleicht ins Hintertreffen geraten ist. Wie modern ist die CDU?

Der heute beginnende CDU-Bundesparteitag in Hannover lässt spannende Debatten dazu erwarten. Die Jungen Wilden werden fordern, die CDU müsse (noch) moderner werden; an ihrer Spitze steht der Hamburger CDU-Vorsitzende Marcus Weinberg – ein bekennender St.-Pauli-Fan. Womit sich der Kreis fast wieder schließt, schließlich sind und bleiben die Kiezkicker ja die offiziellen Weltpokalsiegerbesieger, die damals 2002 gegen den frisch gekürten Weltpokalsieger FC Bayern als Sieger vom Platz gingen.

Irgendwie gehört doch alles zusammen. Und Vorsprüngen konnte man noch nie vollends vertrauen. Entscheidend ist auf‘m Platz. Und am Wahltag.

 

Dr. Thorsten Faas twittert als @thorstenfaas über seine Spezialgebiete Wahlen, Wahlkämpfe und Wahlstudien, mit Einsprengseln aus Fußball und Society. Auf ANTROBIUS untersucht er meist montags Machtfragen aus der Perspektive des bundespolitischen Bundestrainers und schreibt im Wechsel mit Dr. Bieber.