Advent, Advent, ein Pixel brennt …

 

…ist eigentlich eine schöne Überschrift für einen jahreszeitlich angemessenen Text aus der Perspektive des Pixelpapas. Es folgt eine für Nichtinformatiker irritierende Dokumentation über super-nerd-adventing: von der Wurzel bis zum (Achtung!) Appvents-Kalender. Es ist Glück.

Von Christoph Bieber

Nur können Pixel wohl nicht brennen, besser funktionieren würde es wohl mit Bits – auch wenn die nicht unbedingt entzündlich sind, aber man kann sie doch setzen. Erst eins, dann zwei, dann drei… Womit wir wieder beim Advent wären, der noch in dieser Woche seine Position vor der Tür verlassen wird.

Wie sieht denn nun der digitale Advent aus, die 24 Tage bis Weihnachten? Ob echte Nerds wohl die Zahlen umdrehen und daraus 42 Zeiteinheiten machen? Das könnte mal wohl den aktuellen Über-Nerd Harper Reed fragen, dem ist alles zuzutrauen.

Allerdings wäre wohl auch Arnt Gulbrandsen ein guter Ansprechpartner, immerhin hat er im vergangenen Jahr eine Datei angelegt, in der auf 24 Druckvorlagen alle 24 Adventstage aus Rechenoperationen allein mit der Zahl 4 dargestellt werden. Alles klar? Nein?

Simpel sind ja die Vielfachen von Vier (√4 + √4), also zum Beispiel Acht (4+4), Zwölf (4+4-4+4+4), Sechzehn (4×4) und so weiter. Interessanter sind dann schon Neun ((4/4)+4+4) oder Zehn ((44-4)/4 oder auch 4+4+√4). Echte Nerds suchen selbstverständlich nicht nach den naheliegenden Lösungen: auf dem Blatt mit der Eins steht natürlich (4 + 4) / (4 + 4), was auch sonst.

Diese reduzierte Version aus Norwegen ist ja eher etwas Puristen, es geht natürlich auch wesentlich bunter – ein schönes Beispiel wäre dieser kleine Bausatz, der nicht nur angemessen „nerdig“ aussieht, sondern gleichzeitig mehr oder weniger subtil auf den guten alten Brauch des Selbermachens hinweist. Denn dies nur nebenbei: inzwischen ist natürlich eine Fülle von Adventskalendern im Handel erhältlich, die recht offen die Zielgruppe adressieren. Allen voran steht vermutlich der Lego Star Wars-Kalender mit doppelter Nerd-Dosis (aber der von 2011, mit Yoda als Weihnachtsmann!) oder der Drei ???-Kalender „mit 24 Rätseln“. (Eine hilfreiche Handreichung für die Suche nach einem passenden Stück findet sich übrigens hier.)

Doch zurück zu den sehr digitalen Adventskalendern, die nicht selten als eine Sammlung von Anleitungen und Handgriffen für den Online-Alltag daherkommen. Bei Wired finden sich verschiedene Hinweise zur Erstellung und Verbreitung der alljährlichen Grußkarten (bzw. verwandter Formen wie Videos, Dia-Shows oder Social Media-Postings) oder auch die Vorstellung einer Adventskalender-App, die Vater und Sohn (11) gemeinsam entwickelt haben.

Damit noch einmal zurück zum Aspekt des Selbermachens – sehr spannende Interpretationen des klassischen Adventskalenders finden sich auch bei The Nerd Nest, einem Verteter der in den USA schon sehr präsenten Maker-Szene. In Deutschland finden sich noch nicht allzu viele Beispiele für diese neue Form des Do-It-Yourself, ein kleiner Überblick zum Angriff der Nerds auf die dreidimensionale Welt findet sich hier. Das noch recht junge Phänomen knüpft dabei gerade in dieser Jahreszeit an eine Tradition an, die zumindest für die Generation der heutigen Pixelpapas bekannt sein dürfte – der selbstgemachte, genähte, geklebte – eben der selbstgebastelte Adventskalender.

Es ist ein gar nicht uninteressanter Nebenaspekt von Bastelanleitungen wie der von The Crafty Cow, dass dabei die eigenen Projekte im Netz ausführlich beschrieben werden und ausdrücklich zum Nachmachen angeregt wird. Zahlreiche Websites, Blogs und soziale Netzwerke sorgen für eine Verbreitung der Ideen und Impulse. Der Aspekt des Teilens als Kernelement des Social Web findet hier einen mehr als deutlichen Ausdruck – in diesem Sinne: einen angenehmen Start in die Adventszeit!

 

Prof. Dr. Christoph Bieber alias @drbieber twittert als social scientist with interests in media, politics, popular culture. okay, and sports. Die Kapazität in allen Fragen rund um Netzpolitik und Vernetzung der Gesellschaft rantelt auf ANTROBIUS meist Montags aus der Perspektive des Pixel-Papas und im Wechsel mit DR. FAAS. 

Foto: ANTROBIUS