“Authentisch” ist das neue “echt”. Zeit, über innere Haltung zu reden.

 

Zwei Aussagen: „Sei bloß authentisch!“ und „Bloß nicht authentisch sein!“ — Ich sage: Beides stimmt. Authentizität gibt’s nur im Doppelpack: Passend zur Person und passend zur Situation. Doch authentisch sein, sagt Kommunikations-Coach Kerstin Köhler heute auf ANTROBIUS, ist alles andere als einfach.

Von Kerstin Köhler

Eins gleich vorweg: Was nicht im eigenen Repertoire ist, wirkt unecht. Und was nicht zur Situation passt, verdirbt die Wirkung. Mal anzuecken kann prinzipiell auch mitreißen. Allerdings ist die Frage, wie überzeugend dies letztendlich ist…

Im Trainings bzw. Coaching darf ich immer wieder mit bzw. an spannenden Haltungen arbeiten. Zum Beispiel:

  • Eine Lehrverantwortliche: „Mal ehrlich: Die Studenten sind unsere Feinde.“ – Ah ja.
  • Ein Klient: „Ich will auf jeden Fall authentisch bleiben.“ – Niemand hat die Absicht…
  • Ein anderer Klient: „Sagen Sie nichts. Ich weiß schon alles über mich.“ – Wow!

Spannend. Das eigene Verhalten zu entwickeln und dabei noch passend zur jeweiligen Situation – ein lebenslange Aufgabe. Dennoch: Bewährt hat sich ein Modell. Und zwar das Johari-Fenster – also der Vergleich zwischen Selbst- und Fremdbild. Es unterteilt in 4 Bereiche: Freies Handeln, Blinde Zone, Verbergen und Unbewusstes.

Es gibt also Verhalten, das uns selbst nicht bekannt ist, aber dennoch ein Stück von uns zeigt. (Das kurz verdauen). Deshalb ist Feedback nicht nur ein Geschenk, sondern auch die Chance, sehender für unsere blinde Zonen zu werden.

Innere Haltungen sind Motor unseres Handelns. Deshalb sollte es uns interessieren, was uns antreibt. Es muss nicht gleich ein Coaching oder Training sein. Manchmal genügt ein Nachdenk-Anschub. Dafür vier Tipps:

  1. Fernando Savater: „Tu, was Du willst. Ethik für die Erwachsenen von Morgen.“
  2. Yoga
  3. Meditieren
  4. Chuck Spezzano: Karten der Erkenntnis auf dem Weg nach innen.

Entscheidend sind Gespräche: Fremdbilder einholen, vergleichen mit dem Selbstbild und entscheiden: Was passt und kann bleiben? Was soll anders werden? Denn: „Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, sondern wie wir sind.“

Glücklich, wer wahre Freunde hat.

Ach ja, wenn es zu spirituell ist: Ich bitte zu bedenken, dass auch ich das wunderbare “Weiß”  – also die geflockte Sonne – vor Augen habe. Und auch ich finds zum K… Ich arbeite an der Haltung. Und die Tipps sind für zu Hause. Man muss also nicht raus bei dem Wetter.

„Die Tugend ist also ein Verhalten (eine Haltung) der Entscheidung, begründet in der Mitte in Bezug auf uns, einer Mitte, die durch Vernunft bestimmt wird und danach, wie sie der Verständige bestimmen würde.“ (Aristoteles)

Wie gesagt, es gibt so viel zu entdecken…

 

Kommunikation ist ihre Spezialität. Kerstin Köhler coacht diejenigen im Land, die das Sagen haben. Und ist davon überzeugt, dass die Welt ein kleines bisschen besser wäre, wenn der Ton zur Abwechslung auch die richtige Musik machte. Jeden zweiten Mittwoch auf ANTROBIUS.

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ZUM FOTO: Das Foto zeigt eine Installation von Moritz Hirsch (geb. in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Berlin). Seine Arbeit La Giaconda (2012) ist eine Hommage an die kreative Kopie. Und ist gleichzeitig eine Studie zu Fremdwahrnehmung und Authentizität in einer Zeit, in der wir mehr durch unser smartphone zu sehen scheinen als durch unsere eigenen Augen – und auch alles durch den kleinen Bildschirm gesehen wird. Zurück bleibt ein meist etwas unscharfer Eindruck eines vormals vielleicht eindrucksvollen Erlebnisses. Zu sehen aktuell im Kunstraum Kreuzberg.