Bulb Fiction – die fahle Lobby

An den Earth Summit in Rio werden große Erwartungen geknüpft: Warum, fragen viele, kann die Politik nicht zu nachhaltigen gemeinsamen Entschlüssen gegen Armut und für Klimaschutz kommen. Der Westen will mit green economy vorangehen. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer sind da aus unterschiedlichen Gründen skeptisch. Wir sollten uns deshalb selbst immer wieder fragen, ob wir die richtigen Akzente setzen und nicht manchmal das Kind mit dem Bade ausschütten.

Ab September sollen keine Glühbirnen mehr mit mehr als 10Watt Leistung verkauft werden. So hat es die EU-Kommission verfügt. Zugunsten von Energiesparlampen – die teurer sind, fahleres Licht machen und darüber noch ein hochgiftiges Innenleben haben: Quecksilber. Geht eine Birne kaputt, ist Gefahr im Verzug. Das giftige Metall macht die Birne überdies zum Sondermüll. Doch laut einer EU-Studie landen 80% der giftigen Lampen im Normalmüll. Trotzdem: im Sinne des Umweltschutzes soll sie alte Glühlampen ersetzen.

„Warum sollte nicht die Lichtindustrie mit der Politik dasselbe machen, was die Bankbranche mit der Politik gemacht hat“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Max Otte dem ARD-Magazin ttt„Nämlich sich letztlich die Regeln selber schreiben und die Politik das Ganze abnicken lassen.“ Und Holger Krahmer, EU-Parlamentarier der FDP weist im selben Beitrag auf das deutliche Interesse der Industrie hin: „Wir haben in Europa bloß noch zwei maßgebliche große Hersteller von Glühlampen. Osram und Philips. Und natürlich saßen die da mit dabei und haben an dieser Stelle das Geschäft gewittert.“

Ein österreichischer Dokumentarfilm fragt jetzt nach den Hintergründen: Bulb Fiction von Christoph Mayr nimmt das Verbot der Glühlampe zum Anlass, um Macht und Machenschaften der Industrie, sowie den Widerstand gegen die „Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten“ zu portraitieren. Es geht um die Macht der Industrie und ihrer Lobbys, die Verstrickung der Politik in diese Machtstrukturen, um Profit und Scheinheiligkeit, um bewusste Fehlinformation.

Andreas Löschel, des Leiters für „Umwelt- und Ressourcenökonomik“ am „Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung“ beleuchtet darin den CO2-Spar-Effekt der Sparlampen: „Durch die EU-Richtlinie sollen bis 2012 etwa 15 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Dies entspricht gerade einmal 4 Promille der CO2-Emissionen in Europa. Das ist verschwindend wenig. Genau genommen irrelevant, wenn man über Europa hinaus schaut: Die CO2-Emissionen in China betragen 5000 Millionen Tonnen. Allein der jährliche Anstieg beläuft sich auf etwa 550 Millionen Tonnen. Das Glühlampenverbot ist Symbolpolitik.“

Video @ presskit Bulb Fiction   Foto: Thimfilm