Das L-Wort. Wie sich Städte sinnlos ausverkaufen.

 

Was grade noch Nische war, wird endlich diskutiert: Wie Städte mit öffentlichem Raum umgehen. Wie Bürger ihre Stadt an Investoren verlieren, die vieles, aber nicht unbedingt öffentliches Interesse im Blick haben. Zum Glück gelingt es Grafikern, die komplizierten Zusammenhänge sichtbar zu machen. Dabei wirde die eine andere politische Behauptung plastisch – und entlarvt.

Die Wohnungsnot und steigende Mieten – interessierten lange niemanden und plötzlich ist es Wahlkampf. Wer hätte geahnt, dass ein Begriff wie “Liegenschaftspolitik” die öffentlichen Gemüter bewegen würde? Es gibt eine Reihe Visualisierungsprojekte wie den Leerstandsmelder oder Free Space Berlin, die  die Wohnungsmisere und den Umgang mit öffentlichen Flächen zu kartieren.

Dem Grafiker Maximilian Pecher ist es nun gelungen, das L-Word in einer Animation zu erklären. Die gleichzeitig auch eine entscheidende politische Behauptung entlarvt: Dass der Verkauf öffentlicher Flächen dem Schuldentilgen dient. Das ist unsinnig, wenn man sich die Relationen betrachtet. Gemessen an dem Schaden am Wohnungsmarkt, der durch das Prinzip der Versteigerung an den Meistbietenden entsteht, offenbart sich hier kurzsichtige Politik des Berliner Senats, die viel zu lange auch in anderen Städten und Kommunen opportun war.

 

“Mit dem Argument des Schuldenausgleichs werden seit 2001 Berliner Liegenschaften über den Liegenschaftsfonds verkauft. Der Meistbietende erhält dabei den Zugriff. So wird öffentliches Eigentum zunehmend privatisiert und unwiederbringlich aus dem Einflussbereich der Öffentlichkeit genommen. Die interaktive Animation soll transparent machen, wer die Akteure im Vergabeprozess sind und wie dieser abläuft. Sie zeigt den ungleichen Einfluss von Politik, Wirtschaft und Berlinern auf die Entscheidung. Außerdem kommen die Initiativen „Stadt Neudenken“ und „Open Berlin“ zu Wort. „Ziel ist es, den Ausverkauf der Stadt zu stoppen und das Recht, über öffentliches Immobilieneigentum zu entscheiden an die Stadtbewohner zu übergeben.“ (Initiative Open Berlin) Die Vision einer „Planung von Unten“ wird als Alternative zur jetzigen Situation aufgezeigt.”

 

Animation und Redaktion: Maximilian Pecher
In Zusammenarbeit mit: Open Berlin; Rocco Zühlke, Felix Zaiß (O-Ton)
O-Ton: Stadt Neudenken; Leonie Baumann
Sprecher: Peter Koziel