Das Superwähljahr. Ob der Papst der richtige ist, weißt Du, wenn die Lasagne für Bayern den Elfmeter versenkt.

 

Wie steigert man eigentlich das Wort „Superwahljahr“? Nötig ist es allemal, nachdem unser Papst am vergangenen (Rosen-)Montag seinen Rückzug verkündet hat. Wir sind dann jetzt Altpapst. Jedenfalls ist damit klar: 2013 dürfen wir alles auswählen: vom Papst zum Kanzler zum fleischhaltigen Lasagnengericht im Supermarkt. Eine sportliche Herausforderung.

Von Thorsten Faas

Diese Wahlfreiheit und die damit verbundene Spannung sind auch bitter nötig, treten sie doch in einen erfrischenden Kontrast zum zweiten Standbein unserer modernen Welt, dem Fußball. Ebenso souverän, wie die Bayern in der vergangenen Saison gezeigt haben, dass sie überall Zweiter werden können, wenn sie dies denn wollen (niemand, der auch nur einen Hauch Ahnung von Fußball hat, kann dieser Interpretation widersprechen – man denke nur zurück an das Elfmeterschießen dahoam); genauso souverän zeigen sie jetzt, dass es natürlich auch mit Platz 1 klappt. Die aktuelle Tordifferenz von +50 ist bereits jetzt eine klare #absolutemehrheit – was in der gleichnamigen Sendung des Shooting Stars der deutschen Talkszene immer noch kein Kandidat geschafft hat. Und gestern auch keine Kandidatin.

Aber zurück zu jener Welt, in der es noch Spannung gibt. Was können wir erwarten? Unwahrscheinlich ist, dass Stefan Raab in den Wahlkampf involviert sein wird. Also zumindest den vatikanischen. Und Blogs wird es dort auch keine geben – außer vielleicht im vatikanischen Intranet? Realistischer erscheint, dass unter @pontifex auf Twitter virtueller schwarz-weißer Rauch aufsteigen wird, möglicherweise noch ehe die realen Rauchpartikelchen die Spitze des Schornsteins erreicht haben.

Der Langstreckenwahlkampf – länger als manches Pontifikat

Bis der Rauch über der Kapelle weiß sein wird, könnte es dieses Mal allerdings doch länger dauern. Die Ausgangslage scheint unübersichtlich. So ein Kandidatenfeld voller Herausforderer will erst einmal sortiert sein. Man denke an amerikanische Primaries: Wenn es keinen Amtsinhaber gibt, können solche Prozesse doch ein Weilchen dauern. Barack Obama und Hillary Clinton können nach ihren Erfahrungen 2008 ein Lied davon singen. Oder auch Mitt Romney 2012. Und man stelle sich nur kurz vor, der Kanzler der Bundesrepublik müsste wie der Papst mit einer 2/3-Mehrheit gewählt werden… Der einzige, der das in Deutschland in jüngerer Vergangenheit geschafft hatte, war Edmund Stoiber. Kurz danach war er dann weg. Und gefühlt natürlich Helmut Schmidt.

Angela Merkel und Peer Steinbrück jedenfalls werden es nicht schaffen. Und sie sind beide auch bescheiden genug, sich mit einer einfachen „Kanzlermehrheit“ im Deutschen Bundestag zu arrangieren. Rund 200 Tage bleiben ihnen noch, um diese Marke zu erreichen. Das hat Züge eines politischen Marathons. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass viele Beteiligte das ganze eher angehen, als sei es ein Kurzstreckensprint. Nicht die dicksten Oberschenkel gewinnen, sondern die Pferdelunge.

Die richtige Wahl als Glücksfall

Womit wir beim letzten Thema der Woche wären: Wenn es um Wahlen und Wahlfreiheit geht, besteht zweifelsohne noch Optimierungsbedarf an europäischen TK-Theken für Fertiglasagnen. Auch wenn mir nicht ganz klar ist, wer dort überhaupt zur Gruppe der Wähler gehört, so ist doch klar, dass Reformbedarf besteht. Wer Pferdefleischlasagne mag (und empirisch scheint das ja durchaus der Fall zu sein), der muss bisher ein riskantes Spiel spielen und „normale“ Lasagne kaufen, dann allerdings – ganz ähnlich dem Elfmeterschießen – darauf hoffen, dass er sich für die richtige Ecke der TK-Theke entschieden hat. Und nicht bloß die Torwartecke erwischt hat (aka „Rindfleisch“).

Ob die regelmäßigen, von @schmidtlepp (aka Christopher Lauer und seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus) verfassten Tweets mit dem exklusiven Inhalt „Pferd“ damit im Zusammenhang stehen, ist derzeit übrigens noch unklar.

 

Dr. Thorsten Faas twittert als @thorstenfaas über seine Spezialgebiete Wahlen, Wahlkämpfe und Wahlstudien, mit Einsprengseln aus Fußball und Society. Auf ANTROBIUS untersucht er meist montags Machtfragen aus der Perspektive des bundespolitischen Bundestrainers und schreibt im Wechsel mit Dr. Bieber.

JETZT ANTROBIUS AUF TWITTER FOLGEN.

 

Foto: ANTROBIUS