DER KUNSTANSTIFTER

 

Student und Nachtwächter, Galerist, Sammler, Präsident eines Fußballvereins und Handlungsreisender mit besten Kontakten zu den berühmtesten zeitgenössischen Künstlern der Welt: Hier erzählt der Düsseldorfer Kunstberater Helge Aschenbach, der ein Vermögen damit machte, Unternehmen für die Geschäftssitze Kunstwerke zu vermitteln.

In einer Art beruflichen Autobiografie aus Anekdoten schildert Achenbach spannend und kurzweilig aus dem Nähkästchen der Sammler, Galeristen, nicht zuletzt auch einiger weltberühmter Künstler. Vor allem die Berichte aus den 80er Jahren lassen dem unbedarften Leser den Mund offen stehen. Da öffnet sich eine Welt von Geld und zuweilen manischer Leidenschaft, Besessen- und Kühnheit, in die man nur selten Einblick bekommt.

Denn Kunst sammeln ist Leidenschaft, die bei manchen ins Verrückte umschlägt, was natürlich den Reiz der ganzen Sache nur erhöht. Zumal bei Kunstverrückten wie Achenbach selbst. Der einen in diesem Buch an die Hand nimmt zu seinen spektakulärsten Deals, Krimis fast, zu den Künstlern und Liebhabern, zu Divas und Geschäftemachern.

Gleichzeitig wird in jeder Zeile deutlich, dass nicht der monetäre Wert der Kunst dasjenige ist, was Achenbach, seine Konkurrenten und Mitstreiter in erster Linie bewegt, sondern der seelische, ästhetische, geniale Wert der Arbeiten.

Für jeden Ort das beste Werk zu finden, das ist die Achenbach-Mission. Plötzlich ist man hautnah dabei, wie Keith Haring das Foyer von Deutschlands fettester Werbeagentur aussprüht und sogar den Agenturchef sprachlos daneben steht. Wie Achenbach in Gerd Schröders Auftrag nach der großen Elbe-Flut 2002 eine hochkarätige Spendenauktion für die abgesoffenen Dresdner Museen organisiert. Oder wie er mit Gerhard Richter in Düsseldorf Räume einer Bank ausstattet – die später von Modeketten verhunzt werden.

In einer Zeit, in der – zumindest in der Hauptstadt – die Architektur an sich schon Kopfschütteln und mattes Entsetzen hervorruft, wagt man sich kaum vorzustellen, wie Künstler inzwischen auf Offerten reagieren mögen, den Schmonz auch noch auszustatten. Wenn man sie überhaupt fragt. „Achenbach, wir müssen demnächst für bessere Architektur sorgen,“ soll Richter ihn einmal gemahnt haben.

Da braucht es, das macht Achenbach immer wieder deutlich, Leidenschaft, Begeisterung und Kenntnis von Kunst bei einzelnen Mitgliedern in den Vorstandsetagen. Übrigens auch Toleranz. Nicht die tumbe Halsstarrigkeit eines Kardinal Meisner, der die Kirchenfenster im Kölner Dom von Gerhard Richter öffentlich schlechtredete, statt ein bisschen Stolz zu zeigen. Egal.

Ein fantastischer Wochenend-Schmöker, ein wirklich vergnügliches Stück Insiderwissen.

 

Achenbach CoverDER KUNSTANSTIFTER
von Helge Achenbach

erschienen 2013
im HATJE CANTZ Verlag

 

 

 

Presse-Foto des Verlags HATJE CANTZ:
Helge Achenbach inmitten seiner Editionen, 1987
Copyright Hans-Joachim Ellerbrock