Die Karte des Terrors. Wie moderne Datenkartografie Geschichte in der Stadt sichtbar macht.

 

Nicht nur in Deutschland: Auch in Frankreich wurden Tausende Kinder von Nationalsozialisten und ihren Anhängern entführt und ermordet. Eine interaktive Karte macht das Grauen nun sichtbar.

In Berlin und vielen Städte Deutschlands sind es goldene Stolpersteine, die im Straßenpflaster auf das Schicksal der Deportation vieler Menschen zur Nazi-Zeit aufmerksam machen. In Frankreich hat der Historiker Serge Klarsfeld nun eine interaktive Karte der Verfolgung und Deportation von Kindern in Paris zwischen 1942 und 1944 veröffentlicht. Straßengenau lässt sich das Unrecht nachvollziehen. Rote Punkte übersähen die Stadtkarte. Die meisten Kinder wurden von den Nazis ermordet. Klickt man auf den Ort ihrer Wohnungen, erfährt man Namen und Alter der Opfer.

Ein beklemmendes Zeugnis. Gleichzeitig eine wichtige Arbeit: Denn die stadtweite Kartierung zeigt auf einen Blick, mit welcher Systematik die Täter vorgingen. Und dass es sich hier nicht um vereinzelte, abgeschiedene Prozesse handeln konnte. “Das haben wir nicht gewusst,” dieser Satz wirkt beim Anblick der Dichte und Fläche der Taten unglaubwürdig.

Grafik: Serge Klarsfeld, Jean-Luc Pinol & Gérald Foliot