Die Neuerfindung des Rads!

 

Kaum eine Stadt in Europa lädt so zum Fahrradfahren ein wie Kopenhagen. 37 Prozent der Kopenhagener nutzen das Fahrrad für den Weg in die Arbeit. Doch das ist Kopenhagen einfach nicht genug.

Von Peter Koziel

Nun erfindet Kopenhagen quasi das Rad neu. Naja nicht ganz. Die Stadt fördert genauer gesagt ein Team aus Nerds um Carlo Ratti vom MIT SENSEable City Lab, die ein neuartiges Bauteil (siehe YOUTUBE) entwickelt haben. Das Copenhagen Wheel macht aus herkömmlichen Fahrrädern – ohne weitere Verkabelungen – eine Art Elektrofahrrad.

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Das Rad speichert z.B. die Bremsenergie die beim radeln entsteht und gibt sie in erforderlichen Situation – wie dem Befahren eines Hügels – wieder ab. Kein Aufladen, keine Wartungsarbeiten. Die Technik dafür steckt in einem zentralen Kern, der auffällig rot gefärbt ist. Der Clou dabei: Kombiniert mit einem Smartphone (per Bluetooth) produzieren eingebaute Sensoren ein individuell zugeschnittenes Datenbuffet: Von der Darstellung des Fitnesslevels, der Kartierung zurückgelegter Strecken, der Messung von Kohlenstoffmonoxid, Stickstoffoxiden, Lärm, Feuchtigkeit und Temperatur, bis hin zum Abgleich mit Datenbanken anderer Copenhagen-Wheel-Nutzer über Schnittstellen mit sozialen Netzwerken:.

Oder will man etwa nicht wissen ob ein alternativer Weg die Schadstoffbelastung während der Fahrt in Zukunft dramatisch senken könnte? Datenphobiker sehen hier wieder das Potential zur Überwachung, doch Technikoptimisten entdecken hier einen Schritt zur High-Endisierung des schnöden Fahrrads.

Es muss ja nicht immer ein Segway für den hüftgeschädigten Großstadttouristen sein. Schließlich vermittelt es schon ein sehr urbanes Gefühl mittels Smartphone das Fahrrad zu verriegeln, Gänge zu wechseln, oder die Leistungsstufe der Elektrounterstützung einzustellen. Wenn dies eine Möglichkeit ist mehr Stadtbewohner aufs Fahrrad zu bringen: Immer her damit.

Doch das Projekt bleibt seit 2009 recht theoretisch. Inzwischen hat ein Firma das Patent abgekauft und berichtet seitdem nur von Problemen bei der technischen Umsetzung: Ihr Bike names E-Jalopy mit Greenwheel (Goodbye Copenhagen..) wird laut Zeit Online nicht serienreif. Angeblich soll eine anderes Start-Up-Unternehmen namens FlyKly ein im Prinzip identisches SmartWheel ab 2014 für unter 500 Euro liefern können. Wenn da mal nicht ein Patentstreit ausbricht.

Innovationspotential für die Zukunft der Stadt: **** (4 Sterne)

 

Peter Koziel ist Diplom-Ingenieur für Stadtplanung. Sein Blog stadt2punkt0 spiegelt seine persönliche Begeisterung für Innovationen und ihren möglichen Einfluss auf die Zukunft unserer urbanen Räume wider.

 

Bilder: A project by the MIT Senseable City Lab senseable.mit.edu/copenhagenwheel/
Photos by Max Tomasinelli www.maxtomasinelli.com