Die Smartphone-Regierung. Was bringt uns die digitale Revolution?

Eins der stärksten Bücher zur Digitalisierung unseres Lebens. Weil es die Digitalisierung einordnet in historische Entwicklungen. Ein weiterer technischer Schritt, ist das Argument, mit dem wir also zurecht kommen müssen – und werden.

Von Wolf-Christian Ulrich

Die Journalistin Mercedes Bunz hat sich einige Zeit in die British Library eingeschlossen, um dort – durch eine wacklige Internetverbindung vor größerer digitaler Ablenkung gefeiht – eine Antwort auf die Frage zu finden, wie die digitale Revolution die Menschheit verändert. Auf gute Weise, ist das Ergebnis, die Menschen müssen nur die Chancen nutzen; die Zeit lässt sich ohnehin nicht zurückdrehen.

So wird die Analyse “Die stille Revolution” zu einem Manifest: für eine aufgeklärte Nutzung digitaler Medien und Techniken für eine aufgeklärtere, aktive, politisch engagierte Generation. Dabei bleibt allerdings einiges ungeklärt:

Wir digitalen Normalos leiden unter einem Diktat der Effizienz, dem wir durch unsere Tablets und Smartphones lustvoll ausgeliefert sind. Dabei ist es wurscht, ob dies freiwillig geschieht oder nicht, es ist meist so.

Gleichzeitig sind wir zu kritischerer, aufmerksamerer, aktiverer Nutzung von Medien aufgerufen. Klingt gut, doch in Wahrheit haben wir immer weniger Zeit für Inhalte und deren mündige Einordnung. Und: Warum sollten wir uns dafür mehr Zeit nehmen als vielleicht früher?

Nutzen wir unsere Zeit richtig, die wir in sozialen Medien auf der Suche, der Produktion und der Einordnung digitaler Inhalte sind? Warum machen das nicht wie bisher Spezialisten und wir haben dafür Zeit für anderes Engagement?

Dazu kommt ein zweites Dilemma der fragmentierten Wahrnehmungsöffentlichkeit: Wie denkt eine digitale Öffentlichkeit über Themen, die uns alle angehen, wenn sich jeder in seinem digitalen Diskurs einigelt?

Und vor allem: Ist die Masse der digitalen Öffentlichkeit wirklich von einer „ganz anderen Qualität als jene der industriellen Öffentlichkeit“? Ist der Leser in den vergangenen 30 Jahren wirklich mündiger geworden? Informierter?

„Die Digitalisierung bietet uns heute die Möglichkeit, eine andere Zukunft zu gestalten. Und aus ihr wird, was wir aus ihr machen.“ – so schließt Mercedes Bunz ihr großartiges Buch, das jeder lesen sollte, der dieser digitalen Neuordnung allzu kritisch oder allzu euphorisch gegenübersteht. Am Ende allerdings scheint es doch die Zeit für das analoge Engagement zu sein, das unsere Welt ein wenig besser macht.

 

Mercedes Bunz: Die stille Revolution. edition unseld, 2012