Doch! Ich! Kann!

 

Die Rede, mit der Angela Merkel 2013 zum dritten mal zur Bundeskanzlerin gewählt wurde. Exklusiv auf ANTROBIUS.

 

Ich habe einen Traum.

Lachen Sie nicht.

Ich habe einen Traum. Ich habe den Traum, dass Sie mich zur Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland wählen werden. Sie haben das schon zwei Mal gemacht. Warum nicht noch mal?

O.K., die Idee mit dem Scherz zu Anfang stammt von meinem Rhetorikcoach.  Aber mal ganz im Ernst: Ich habe wirklich einen Traum.  Ich habe den Traum, Politik zu machen, von der man in 20 Jahren sagen wird: „Angela Merkel war eine mutige Frau. Sie hatte eine Vision. Heute wissen wir: Sie hatte Recht.”

Ich gebe zu, bis heute habe ich diesen Traum streng geheim gehalten. Ich habe niemandem davon erzählt. Ich habe peinlich darauf geachtet, dass niemand etwas ahnt. Aber ich habe ihn, diesen Traum. Heute Morgen beim Frühstück habe ich zu meinem Mann gesagt: „Joachim, heute mache ich meinen Traum wahr.“  Gesagt – getan.

Mein Traum geht so:

Gegen alle Widerstände werde ich dafür sorgen, dass Europa nicht auseinander bricht. „Oh Gott, jetzt dreht sie durch, wer soll das denn bezahlen?“ werden sie jetzt fragen. Meine Antwort lautet: Sie!

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Politik und ich kenne mich inzwischen ganz gut aus. Besser als Sie. Und darum weis ich, dass alles außer dem Zementieren und Verbessern von unserem bunten kleinen Europa, erlauben Sie mir einen Ausdruck den ich von George Bush übernommen habe, dass das „Bullshit“ ist.

Wie Sie vielleicht wissen, bin ich in der DDR groß geworden. Da hat man nichts von Träumen erzählt, weil das zu gefährlich war. Seit sechs Jahren bin ich Bundeskanzlerin. Als erste Ostdeutsche. Als erste Frau. Ich habe keine eigenen Kinder und ich werde bald 60

Zeit für einen Traum. Wann, wenn nicht jetzt?

Darum hier klipp und klar: Entweder wir basteln an unserem Europa weiter, oder wir kacken ab. So einfach ist das. Und ich sage Ihnen auch, dass das Europa für uns verdammt teuer werden wird. Das heißt längere Arbeit und weniger Rente für alle, schlechte Straßen, schlechte Schulen, Unis, Krankenhäuser, Bundeswehr, und, und, und. Aber drauf geschissen.

Verlogenheit geht mir auf den Zeiger, seitdem ich begonnen habe, Politik zu machen. Gerhard Schröder mag ein mit Worten kaum zu beschreibender Drecksack sein. Und ich sage Ihnen, er ist es. Aber mit der Agenda 2010 hatte er recht. Das war die größte politische Vision eines deutschen Politikers seit der Wiederbewaffnung. Und was machen Sie, die Wähler? Sie wählen ihn ab. Hallo? Der Mann hatte recht.

Dieser Opportunismus hängt mir zum Hals heraus. Wie soll man ein Land regieren, in dem kein Mensch nach dem langfristigen Sinn von Politik, sondern nur auf die Subvention in seinem Portemonnaie guckt. Wie bei der Pendlerpauschale. Der Staat fördert, dass Bürger möglichst weit weg von ihrem Arbeitsplatz wohnen. Wie beim Ehegattensplitting. Der Staat fördert, dass die Gattinnen von Besserverdienern nicht arbeiten. Wie beim Betreuungsgeld, der Staat fördert, dass ….ich mag es gar nicht sagen. Es ist so traurig.

Ich habe einen Traum. Und der geht so weiter:

Wir schaffen den Föderalismus ab. Typen wie Horst Seehofer haben dem Land mehr geschadet als alle Ölkrisen zusammen. Wir sparen uns vielstellige Milliardenbeträge, weil die Arbeit von Landesverfassungsschützern, Landeskriminalbeamten, Landesstatistikern und anderen Provinzheinis ab sofort von Profis erledigt werden. Wir wählen den Bundestag nur noch alle 6 Jahre. Dann sind die Ausfallzeiten wegen Wahlkampf nicht mehr so hoch.

Wir schaffen den Bundespräsidenten ab. Gauck ist ein guter Typ. Aber die Trefferquote für so einen ist 1 zu 10. Das lohnt sich nicht.

Mein Traum hat noch weitere Details, aber mein Rhetorikcoach sagt, ich soll Reden nicht überfrachten. Den Rest verkünde ich daher im Kanzler-Blog. Wichtig ist mir hier erst einmal nur, dass Sie sich merken, dass ich einen Traum habe.

Und wenn Sie jetzt sagen: „Mein Gott, das kann sie doch nicht tun!“ Dann antworte ich Ihnen mit drei einfachen Worten, die ich zugegebenermaßen von Barack Obama geklaut habe:

Doch, ich kann!”

 

Übermittelt durch: Andreas Wiemers

Foto: antrobius