Elternabend – getwittert. how to be a geekdad and survive those gadgets!

Wenn Sandkastenförmchen wie Packmen aussehen: Dann sitzen Geekdads und Pixelpapas am Sandkasten. Dr. Christoph Bieber über die partiell-skeptische Selbstfindung einer ziemlich neuen Spezies.

von Christoph Bieber

Kennen Sie eigentlich einen Geekdad? Oder vielleicht einen Pixelpapa? Einen Eltern-Hacker? Nein? Sie haben die seltsamen Wörter noch nie gehört? Gut so, dann bin ich beruhigt, alles andere hätte mich auch irritiert. Trotzdem sollten wir mal darüber reden, denn es gibt auch bei uns einige Exemplare, die aber meist ein Nischendasein fristen.

Ich hatte eigentlich gedacht, auch so ein Pixelpapa zu werden – also jemand, der frühestmöglich damit beginnt, dem eigenen Nachwuchs die Vorzüge digitaler Medien nahezubringen und möglichst sichtbar darüber zu bloggen, twittern, facebooken undsoweiter. Mache ich aber nicht.

Immerhin werfe ich seit etwas mehr als vier Jahren den ein oder anderen Blick in Blogs mit so schönen Namen wieThe Poop, Parent Hacksoder eben Geekdad. (Nach einer Coverstory im Juni diesen Jahres ist dieses Segment des Wired-Universums ein wenig in die Öffentlichkeit geraten, vor allem wegen der Frage, wieso die „Geekmoms“ nicht gleichberechtigt Erwähnung gefunden haben).

In Deutschland gibt es durchaus eine große Zahl von Eltern-Blogs, die sich mit den täglichen Erziehungsfragen auseinandersetzen und der ohnehin schon reichhaltigen Ratgeberliteratur noch ein digitales Regalfach ergänzen.

Doch das Genre funktioniert auch als Weiterführung des alt-analogen Fotoalbums mit anderen Mitteln – nur werden die Erinnerungen nicht mehr exklusiv im Bücherregal eingeschlossen („Christoph, 1974-76“), sondern über die zahlreichen Wege des Web archiviert und verbreitet. Und dabei muss es ja nicht gleich die vollumfängliche Facebook-Chronik sein, ein reduzierter Mix aus Blog und Bilddatenbank wiegt die fotografische Familienchronik von früher schnell auf – zumal der Fotoapparat ja ohnehin immer dabei ist und inzwischen ein Mehrfachleben als Filmkamera, Telefon und mobiler Publikationseinheit führt.

Nicht zuletzt aufgrund der Entwicklung immer neuer Gadgets (morgen das iPhone 10, nächste Woche die Google-Brille) wird das digitale Weltbilderaufkommen unaufhörlich von Abermillionen Baby-, Kinder- und Familienfotos vergrößert – darüber haben mittlerweile ja auch fast alle alles gesagt. Dennoch kann gerade das Schreiben über digitale Kindheit und Elternschaft 2.0 ganz hilfreich sein – und gerade wenn mal wieder die zivilisatorische Endzeitdebatte tobt (schöne Grüße an die Herren Spitzer und Reuß), so könnten schon minimal reflektierte Notizen über das Aufwachsen und Erziehen mit dem Netz ganz hilfreich sein. Dabei sollte man auch die „kleine Form“ nicht unterschätzen, denn so ein getwitterter Elternabend kann durchaus unterhaltsam sein.

Sagen wir mal so: vielleicht ist es gar nicht so schlecht, sich zumindest gelegentlich mal daran zu versuchen – es dürfte nicht die schlechteste Strategie sein, auch in fünf oder zehn Jahren zumindest in Ansätzen einen Zugang zu jugendlichen Medienwelten zu finden. Ganz wichtig ist dabei auch die aktive Auseinandersetzung mit Fragen zur  „digitalen Privatsphäre“ – wer soll, wer darf das gepostete Material sehen oder lesen? Wo beginnt, wo endet der digitale Dia-Abend? Die vielleicht zentrale Bruchstelle für künftige Debatten zum Leben im Netz lässt sich in der Praxis besser ausloten als durch die Lektüre von Büchern oder Feuilletonstreitereien.

Denn wie sagte schon Doc Brown neulich in Hill Valley: „Es geht um eure Kinder!!!“

 

Prof. Dr. Christoph Bieber alias @drbieber twittert als social scientist with interests in media, politics, popular culture. okay, and sports. Die Kapazität in allen Fragen rund um Netzpolitik und Vernetzung der Gesellschaft rantelt auf ANTROBIUS meist Montags aus der Perspektive des Pixel-Papas und im Wechsel mit DR. FAAS. 

 

Foto: antrobius