EntTARNt: “Herausforderungen”. Wie positives Denken Gespräche retten kann.

 

Positiv denken oder gepflegt in die Abwehrhaltung treiben – Profi-Coach Kerstin Köhler erklärt, wie man mit etwas Optimismus weiter kommt. Auch, wenn das eine komplizierte Angelegenheit werden kann. 

Von Kerstin Köhler

Ja, was denn nun? Positiv denken oder doch nicht? Wie bei so Vielem geht es hier nicht um das Entweder oder, sondern vielmehr um das Sowohl als auch.

Denn einerseits bestimmt unser Denken unsere Handlungsoptionen. Insofern ist es schon gut, ab und an für sich, für die Situation und für Andere positiv zu denken. Doch dabei kommt es eben auch darauf an, wie viel Gespür wir für uns, die Situation oder unserem Gegenüber haben (wollen). Generell gilt: Ein positiver Rahmen unser Wahrnehmung erweitert unseren Handlungsspielraum. Wir können damit unsere Stresspegel runterfahren. Und unser Unterbewusstsein eher motivieren.

Andererseits: Positive Wendungen können alles andere als positiv ankommen. Wenn in Gesprächen von “Herausforderungen“ gesprochen wird, zucken einige Mitmenschen zusammen und gehen in dieselbe Abwehrhaltung wie beim “Problem“. Man ahnt die Absicht und schon ist man verstimmt. Entscheidend ist auch hier: Eine gute Methode ist nur dann ein gute Methode, wenn sie gut eingesetzt wird.  Alles, was wir inflationär erleben, nutzt sich ab.

Soll heißen: Gezielt eingesetzt unterstützt uns positives Denken. Wir setzen bewusst den Rahmen unserer Wahrnehmung. Wir bekommen, was wir erwarten: self-fulfilling prophecy. Das Verhalten, das man von Anderen erwartet, unterstützt das eigene Handeln. Kompliziert – ist aber so.

Insofern kann positiv Denken tatsächlich mitunter gesprächsrettend sein (wenn Sie das wollen). Für Ihre Wahrnehmung sind Sie selbst zuständig. Sie entscheiden, was Sie bewusst registrieren – und worauf Sie mit Handeln Re-Agieren – eben auch in Gesprächen.

Mein Lieblingsbeispiel für positiv Denken: Ihr Partner hat Grippe liegt mit 40 Grad im Bett. Und Sie sagen „Toll, was für eine schöne Herausforderung für Dein Immunsystem!“ Kann klappen – muss aber nicht. Für die einen Liebe pur. Für Andere eher Albern.

Ein mögliches Fazit: Bleiben Sie optimistisch. Das hilft. Unsere Formulierungen prägen unser Denken und damit auch unser Verhalten. Im Gespräch können Sie mitunter Situationen entkrampfen und motivieren. Es ist schon ein Unterschied, ob es heißt „Das ist bis 16 Uhr fertig!“ Oder „Sie können bis 16 Uhr daran arbeiten.“

Mitunter sind auch Gesprächspartner „ausbaufähig charmant“. Und was tun, wenn unser Gesprächspartner bei positiven Formulierungen weder lächeln, noch milde im Gespräch sind bzw. innerlich oder offen das Gespräch beenden? Wie schön, ein Problem, äh eine Herausforderung, äh spannend. Irgendwie schon schwierig, oder?

Sie haben die Wahl. Ist Flucht aus der Situation/aus einem Gespräch möglich – dann nichts wie weg. Wenn nicht, ist positiv Denken zumindest eine Option. Genauso wie gepflegt in die Abwehrhaltung treiben. Provokation kann gezielte Polarisierung bringen.

Für alles gilt allerdings: Konsequenzen entstehen. Und dann stellt sich die Frage erneut: Was tun? Da hilft oft nur ein (positives) Mantra: Es gehört ein große Vielfalt dazu, um die Menschheit vollkommen zu machen.

„Man widerspricht oft einer Meinung, während uns nur der Ton, mit dem sie vorgetragen wurde, unsympathisch ist.“ 
Friedrich Nietzsche 

 

Das Foto von Stefan Ebling zeigt, wie positives Denken den Rahmen unserer Wahrnehmung verändern kann.