Es gibt nur das falsche Wetter, nicht die falsche Kleidung.

 

Es wird Herbst und Sonntag ist zum Träumen und sicher denken 187 % der Menschen daran, sich aufzumachen. Getreu den großartigen Songs von Udo Jürgens (“es roch nach Bohnerwachs und Spießigkeit”) oder Reinhard Mey (“Luftaufsichtsbaracke”). Einer macht’s wahr. Herr Mitzkus geht auf Weltreise. Die gute Nachricht ist, dass er seine Erlebnisse mit uns teilt: Für alle In-Gedanken-Mitfahrer – immer Sonntags auf ANTROBIUS. 

1. Folge München – London

von Andreas Mitzkus

Im Moment liege ich auf einer sich automatisch aufblasenden, bequemen Luftmatratze im Wohnzimmer meiner Cousine Birgit und deren Freund Andrea im Londoner Stadtteil Chelsea und überlege krampfhaft, wie ich diesen langen Satz zu Ende bringen soll.
Geht doch.

Es gab zwei Momente vor meiner Abreise, in denen ich tatsächlich traurig war:

1) Abschied vom kleinen Neffen Arthur – weil er sooooo nett ist
2) Abschied von den Eltern am Flughafen – weil der Gang zur Sicherheitskontrolle doch recht theatralisch ist

Dank eines kaputten Bordcomputers bei British Airways hatte ich noch genügend Zeit, um meine Tränen zu trocknen. Und diese roten Duty-Free-Läden sind auch immer recht interessant für Leute, die noch ein Mitbringsel für künftige Gastgeber brauchen. Mit drei Flaschen Löwenbräu-Oktoberfestbier und mehr als zwei Stunden Verspätung startete das Flugzeug dann doch noch in Richtung London.

Dass der Check-in übers Internet nicht funktioniert hatte, war für mich übrigens kein Problem. Im Gegenteil, ich freute mich sogar über die Fehlermeldung. Herr Alex hatte bei seiner Abreise im Juli nämlich dasselbe Problem und bekam am Schalter ein Upgrade in die Business Class. Das machen die wohl extra so bei Leuten mit Round-the-World-Tickets, dachte ich mir. Als Überraschung sozusagen, weil die Weltreise ja nun losgeht.

Mein Platz 22F war leider das komplette Gegenteil von Business Class. Letzte Reihe in der Ecke, hinter mir die Wand zum Klo, neben mir zwei Bayern-Mädchen aus besserem Hause mit Louis-Vuitton-Tasche und nervigen Gesprächen über die Vorteile des neuen Eyeliners aus dem Bordshop.

Als die Klimaanlage im hinteren Teil des Flugzeugs dann auch funktionierte und der neue Bordcomputer auf Funktionstüchtigkeit überprüft war, freute ich mich auf den legendären Finger-Erben-Gedächtnis-Überlebens-Gin-Tonic, der uns bisher immer Glück auf Reisen gebracht hat.

Über das erste Wochenende kann ich leider nicht meckern. Meine Cousine Birgit, ihr Freund Andrea (ohne s, weil Italiener) und dessen Schwester Ale (ohne ssandra, weil Abkürzung) sind wirklich gute Gastgeber. Zum Leidwesen meiner Reisekasse nehmen sich mich mit in schöne Weinläden, Restaurants, Pubs, Bars und sogar einen Club mit Türsteher.

In vier Tagen London habe ich gelernt:

– Es gibt nur das falsche Wetter, nicht die falsche Kleidung.

– Nicht jedes Seil über einer Kloschüssel löst automatisch die Spülung aus.

– Der Euro ist doch kein Teuro.

 

 

 

Fotos: Herr Mitzkus (zu sehen beim Freaksgucken im Harrod’s)