From the Forest – right over to Europe. Emily Carr in London

 

Erstaunlicher Ort für eine erstaunliche Entdeckung! Im Süd-Osten Londons findet man – recht unvermutet – die älteste öffentliche Gemäldegalerie der Welt. Dort nun eine außergewöhnliche Show: Die Wiederentdeckung von Kanadas ungewöhnlichster Malerin.

„Emily Carr (1871-1945) arbeitete in ziemlicher Isolation an der kanadischen Westküste. Sie war vorher durch die halbe Welt gereist – nach San Francisco, London und Paris – um ihre Technik zu verbessern,“ sagt Kurator Ian Dejardin. „Ihr passioniertes Engagement mit den Stämmen im pazifischen Nordwesten einerseits und der europäischen Moderne andererseits haben zu einem einzigartigen Werk geführt, das in den Urwäldern und Landschaften Britisch Kolumbiens wurzelt. Es ist eine Geschichte von außergewöhnlicher Entschlossenheit.“

Emily Carr wuchs zu einer Zeit im kanadischen Westen auf, als Zehntausende Menschen der Ersten Nationen an Krankheiten starben, die durch weiße Siedler in die Gegend gelangt waren. Hunderte Dörfer blieben entvölkert zurück: Geisterorte, deren besonderes Kunsthandwerk allerdings immer noch von den Kulturen zeugte, die dort bis vor kurzem gelebt hatten.

Diese Kulturen zu bewahren, aufzuzeichnen, war das Ziel der Reisen von Emily Carr durch die verlassenen Dörfer in der Inselwelt West-Kanadas.

Mit kraftvollen, stilistisch einzigartigen Bildern ist es ihr dabei gelungen, einen eigenständigen künstlerischen Ausdruck zu finden für den besonderen Landschaftsraum des gemäßigten Regenwalds an der Westküste nördlich von Vancouver.

 

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Ihr Werk machte sie in den 1920ern zum inoffiziell achten Mitglied der sogenannten Group of Seven, einem west-kanadischen Künstlerkollektiv, das sich eine national kanadischen Malerei verschrieben hatte.

Carr starb 1945 mit 74 Jahren in Victoria – dort hatte sie die meiste Zeit ihres Lebens verbracht, als einsame, exzentrische und meist mit ihrem künstlerischen Ausdruck hadernde Frau.

Die feinsten und bekanntesten ihrer Gemälde sind inzwischen nur in Vancouver und Toronto zu sehen: Seltene Ausnahme war – überaschenderweise – eine kleine Präsentation während der letzten Documenta in Kassel.

Umso erstaunlicher, dass die Dulwich Picture Gallery eine herausragend große Anzahl der wichtigsten Arbeiten über den Atlantik nach Europa holte. Dazu vom British Museum ausgeliehene Artefakte von Stämmen des pazifischen Nordwestens verleihen einen guten Eindruck dessen, was Carr auf ihren Reisen durch die Inselwelt Westkanadas vorgefunden haben muss – und ergänzen unsere Vorstellungswelt hier vor Ort.

Für viele ist der Weg nach Vancouver zu weit – der Billigflug nach London macht diese außergewöhnliche Begegnung mit dem pazifischen Nordwesten noch möglich: bis zum 8. März 2015; dann zieht die Ausstellung nach Toronto.

 

From the Forest to the Sea: Emily Carr in British Columbia. Dulwich Picture Gallery 1. November 2014 – 8. März 2015

Fotos: All photos and picures provided by Dulwich Picture Gallery. Titelfoto: Emily Carr, Big Eagle, Skidigate, B.C. c. 1930, Watercolour on paper, 76.2 x 56.7 cm , 1980.034.001 , Art Gallery of Greater Victoria, Donated in memory of Dorothy Plaunt Dyde 

 

 

 

Fotos / Abbildungen: All photos and pictures provided by Dulwich Picture Gallery Press Room