global capitalist moccasin: Der unerkannte Indianerschuh von adidas.

 

Adidas hat sich an das seltsamste Turnschuh-Design herangewagt, das seit langem zu sehen ist. Der global player bedient sich in einer Sonderkollektion der Formsprache indigener Kulturen vom pazifischen Nordwesten Amerikas. Nur sagt er das leider nicht.

„Der adidas Originals Eagle Wing von Jeremy Scott ergänzt eine Basketballschuh-Silhouette mit einem auffälligen grafischen Print in leuchtenden Farben und mit abstehenden Lederflügeln im Adler-Design.“ – heißt es lapidar. Jeremy Scott kommt aus Kansas City, hat alle möglichen Popstars ausgestattet und die Hermes-Flügelchen an den adidas Schuh gezaubert. Nur, woher kommt der „auffällige grafische Print“?

Zum Glück weiß das Fachmagazin zu berichten, dass die Farb-Kombination aus schwarz und rot, die mythischen Tiermotive (meist Raben und Bären, vereinzelt auch Adler) und die charakteristischen Formen zum Grundbausatz der Indigenen Kunst Britisch Kolumbiens gehören. Je nach Nation ändern sich die Farben, Tiere, Formen – die Geschichten.

Jeremy Scott scheint für Schuhe und Erwachsenenstrampler einmal tief in den Farbtopf gegriffen zu haben; allerdings dominieren schwarz, rot, weiß, grün und auch gelb – was immerhin Beziehungen aufweist zum Volk der Kwakwaka’wakw, von denen noch etwa 5.500 Angehörige auf der nördlichen Vancouver Island leben.

Es waren mal wesentlich mehr. Ersten westlichen Kontakt hatten sie 1792 mit Captain George Vancouver. Westliche Krankheiten haben die Bevölkerung dezimiert, die christliche Mission und weiße Besiedelung ihres Landes brachte die Kwakwaka’wakw mehr oder weniger um ihre Lebensgrundlagen.

Dennoch stellen sie einige der erfolgreichsten Künstler der Moderne in der Region. Dass ihre Designs nun in Flagship Stores rund um die Welt zu sehen sind, gehört zu den sonderbaren Ironien des globalen Kapitalismus; zumal die britische Besiedlung zu Beginn des 20. Jahrhunderts scharf gegen die Potlach-Kultur der Kwakwaka’wakw vorgegangen war. Jene zeigten bei diesen Festlichkeiten ihren Reichtum (grob gesagt) durch das kostenlose Verteilen von Gütern – was nicht der Wirtschaftsidee der Engländer entsprach.

Dressed like a totempole

Wie es um die Feinheiten auch immer bestellt ist: es stünde adidas gut zu Gesicht, das kulturelle Erbe seiner Designs öffentlich anzuerkennen – und zum Beispiel auf seinen Webseiten Tribut zu zollen.

 

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Fotos: ANTROBIUS