Hey Ihr Asis von der linken Spur: Eure Zeit ist gekommen.

 

Ja, Ulf Poschardt, Deutschland braucht weniger Oberlehrer. Aber – Deutschland braucht vor allem: weniger Asis. Und genau darum geht’s bei Sigi Pops Tempo-120-Einknicker. 120 ist der Preis, den wir für Schwanzgesteuerte Bleifußfetischisten zahlen müssen. Heul’ halt!

Von Hardy Hartmann

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich möchte gerne selbst entscheiden, wer mir an den Hintern geht. Folgende Leute gehören nicht dazu: jene Egospießer im Audi und Stresser im Sprinter, die sich rücksichtslos und unverschämt in die Ärsche ihrer Vordermänner bohren. Man wünscht sich regelmäßig ein Bond-Auto, mit dem man Hundescheiße auf den Hintermann feuern kann, der sich bei 180 wie ein räudiger Köter mit seiner Nase an meinem Auspuff zu schaffen macht.

Zum Glück können sich Männer mit Testosteronproblemen in anderen Lebensbereichen in ihre eigenen Welten zurückziehen, wo sie der Allgemeinheit nicht weiter auffallen. In Clubs, in die man nicht möchte; in Bars, in die man nicht möchte; in Geschäftstermine, in die man auch nicht möchte.

Doch unsere Autobahn ist für alle da. Leider brauchen wir eine straffe Leine. 120. Es ist auch nicht erlaubt, im Park den Pimmel zu zeigen. Warum soll das auf der linken Fahrspur möglich sein?

Neulich haben wir uns verabredet und sind zu dritt und nebeneinander ne Runde 60 gefahren. Es war ein Fest. Wut kann sehr, sehr lustig aussehen.

Das Problem sind übermotorisierte Autos. Fahrer, die vergeblich versuchen, mit der Kraft ihrer Kolben die Midlife-Krisein auf dem City-Ring zu therapieren. Wo immer Stau ist. Der Minderwertigkeitskomplex jenes mittleren Managements, das seine Wichtigtuerkomplexe in seinen Zahnlosmeetings nicht ausleben kann, sucht dann Ersatzbefriedigung in Fahrzeugen, die Vorsprung durch Technik versprechen.

Wenn ihr dann so drängelt, kann man im Rückspiegel Eure Faltenfresse sehen. Das sieht da aus wie im Dekolleté von Inge Meysel.

Die Autos sind außerdem so konstruiert, dass Geschwindigkeiten gar nicht mehr auffallen. Es sind ausgesprochen leise Panzer, die jedes Gefühl für Tempo und Gefahr ausblenden. Anders ist nicht zu erklären, wieso diese E-Klasse-Rentner heutzutage bei Thermoskaffee und Klassikradio dieses irre Rennen mitbestreiten. Ich habe gehört, sie klemmen mit den Dritten das Gaspedal an die Fußmatte.

Mein Auto ist 15 Jahre alt. Es fährt 193 spitze. Ich weiß nicht, weshalb Ihr mich beim Überholcruisen mit 170 auf die mittlere 120-Spur drängt, wenn rechts die LKW mit 80 das Schlachtvieh durch Sachsen-Anhalt schleifen.

Ja, 120 ist scheißenlangsam. Und ja, ich würde am liebsten in einer schönen Kette mit den anderen Cruisern mit 150 über den Asphalt gleiten. Doch das geht offensichtlich nicht, ohne dass uns diese Horde verrückter Bleifußfetischsten an die Leitplanke nagelt. Die Drängelraser sind Schuld an 120. Die sollen nachhause gehen. Ich mag sie nicht.

 

Morgen schreibt KERSTIN KÖHLER über die Kunst der Kommunikation. Stay tuned!

Foto: ANTROBIUS