“Ich bin ein Auslaufmodell.”

 

Was Gutenberg begann, setzt Jürgen Rademacher heute fort. Drucken. Informationen zugänglich machen, die jeder lesen kann. Auch ohne Internetanschluss, ohne Smartphone, ohne skills. Einfach lesen. Demokratischer geht’s kaum. Doch der Drucker fühlt sich: als Auslaufmodell.

Kann es heute noch Argumente für die Zeitung geben? Bei sinkenden Auflagen, Personaleinsparungen, crossmedialem Verlag? Vorbei die Zeiten, als Feuilletonredakteure mit dem Porsche aufs neue Wochenend-Domizil nach Kampen brausten. Die Branche leidet. Die Schnelligkeit, Unmittelbarkeit, scheinbare Kostenfreiheit des Internets bedroht eine Jahrhunderte alte Informationskultur. Die mit Ausdauer, Zeit, Überheblichkeit, Stil, Haptik, Papier und Druckerschwärze zu tun hatte. Es fehlt der Zeitung das Geschäftsmodell für die immaterielle Nachricht. Dafür zahlen wir alle. Mit einem Verlust an Recherche, Tiefe, Übersichtlichkeit, Originalität und Meinungsvielfalt. Mit einem Verlust an kultureller Ausdrucksform.

Die Zeitung stirbt. Auch an ihrem eigenen Versagen, mitzuhalten. Ein romantisierendes Beispiel: Wann hast Du Deinen letzten Liebesbrief geschrieben? Auf welchem Endgerät wirst Du später Deinen Enkelkindern die sms zeigen, mit der Deine Ehe begann? Es gibt eine Wertigkeit in der Materialität von Information. Das Internet für seine Stärken zu feiern und gleichzeitig die analoge Zeitung zu bewahren, muss nicht rückwärtsgewandt sein. Es kann auch einen Gewinn an Informationskultur bedeuten.

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