“Ich weiss seit heute, was ein Pogrom ist.” Jetzt online: ein beeindruckendes Hördokument der Verfolgung in Deutschland.

 

80 Jahre nach der Machtergreifung der NSDAP im Deutschen Reich geht eine erstaunliche Holocaust-Dokumentation online: Die den Zeitzeugen eine Stimme verleiht und den Niedergang einer Gesellschaft dokumentiert.

Was für ein wichtiges Projekt: auch online greifbar zu machen, wie sich der Nationalsozialismus in eine Gesellschaft hineinfressen konnte, wie die Opfer diese Entwicklung erlebt haben und wie viele Menschen dabei zugesehen haben – denn übersehbar war dies alles ganz offensichtlich nicht.

Das crossmediale Projekt “Die Quellen sprechen” ist die umfassendste Holocaust-Dokumentation in der Geschichte des Rundfunks in Deutschland. “Von den antisemitischen Aktionen in Deutschland nach der nationalsozialistischen Machtergreifung zum Holocaust, der sich über ganz Europa erstreckt: Schauspieler und Zeitzeugen lesen hunderte von ausgewählten Dokumenten – verfasst von Tätern, Opfern und Beobachtern. Zeitungsberichte, Hilferufe, Verordnungen, Befehle, Tagebuchaufzeichnungen und Privatbriefe. Historiker erläutern die politischen Hintergründe und diskutieren Forschungsfragen. Zeitzeugen erzählen, was ihnen widerfuhr und wie sie überleben konnten.” (Bayerischer Rundfunk)

Die Akribie und der Wahnsinn, mit der Bevölkerungsgruppen abgestempelt und ausgeschlossen wurden, lässt einen deshalb doppelt erschauern. Das waren nicht nur Täter von oben, da hat eine Gesellschaft geschlossen mitgemacht.

Interviews, Audio-Dokumente, Skripte, Karten und eine Chronologie lassen auf unterschiedlichsten Ebenen eine Zeit plastisch werden, die uns so wahnsinnig weit entfernt vorkommt; aber 80 Jahre sind wirklich nicht lang. Grade mit Blick auf die Politiken der Ausgrenzung, des Hasses und der Ideologie, die auch heute in vielen Ländern präsent ist, zum Teil in unmittelbarer Umgebung, zum Teil mit erschreckender Offenheit, ist dieses Projekt nicht nur eine Mahnung; vor allem ein Auftrag, die Werte von Demokratie, Meinungsfreiheit und Minderheitenschutz zu verteidigen, die wir in Deutschland heute für selbstverständlich halten. Sie sind es längst noch nicht.

 

 

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Fotos: Die Quellen sprechen