Intelligent und eiskalt – Climespace Paris

 

Aus kaltem Wasser Energie erzeugen für die Stadt? Funktioniert in Paris so gut, dass man sich daran ein Beispiel nehmen könnte.

Von Peter Koziel

Dass das alte Paris vorbildliche Technologien für die Stadt von Morgen liefern könnte scheint eigentlich unwahrscheinlich. Nun, die Stadt des Eiffelturms ist vielleicht nicht die Masdar City von Europa, aber unter den alten Mauern steckt eine große Portion Zukunft: Eines der größten Fernkälte-Netze der Welt. Ein Leitungsnetz von 70km Länge kühlt Innenräume mit einer Gesamtgröße von unglaublichen 5 Millionen Quadratmetern – für 500 Großkunden im Zentrum der Stadt. Ob Musée du Louvre, Banque de France oder die Galerie Laffayette – der riesige Kühlschrank funktioniert, und das schon seit den 70er Jahren.

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Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Kunden in der Stadt werden mit auf wenige Grad abgekühlten Wasser beliefert. Die kühlen Rohre nehmen die überschüssige Wärme aus den Häusern per Wärmetauscher auf und transportieren diese zurück an den Kälteproduzenten. Dieser kühlt das Wasser wieder ab. Der Kreis schließt sich. Das gute dabei: Die beim der Kühlung des Wassers erzeugte Wärme (die z.B. auch bei einem Kühlschrank oder einer Klimaanlage entsteht) bleibt außerhalb der Stadt und heizt diese nicht im Zentrum weiter auf.

Die Besonderheit in Paris ist, dass das System nicht wirklich geschlossen ist: Das Wasser stammt zum großen Teil aus der Seine und wird wieder 5 Grad wärmer an den Fluss zurückgeführt (siehe Animation). Die dafür nötigen Rohre müssen sehr gut isoliert sein um kein Kondenswasser an den Außenseiten zu bilden und wurden in Paris im Abflussrohrsystem oder unter der Straße neu verlegt.

Inzwischen haben Kälte-Netze nicht mehr einen Exotenstatus bei den Stadtplanern: In Deutschland werden viele Gebäude rund um den Potsdamer Platz auf diese Weise gekühlt, z.B. der Bundesrat und die Zentrale der Deutschen Bahn. Allerdings: Noch ist die Länge der Kälte-Netze im GESAMTEN Bundesgebiet kaum länger als allein das von Climespace in Paris…

Innovationspotential für die Stadt der Zukunft: **** (4 Sterne)

 

Peter Koziel ist Diplom-Ingenieur für Stadtplanung. Sein Blog stadt2punkt0 spiegelt seine persönliche Begeisterung für Innovationen und ihren möglichen Einfluss auf die Zukunft unserer urbanen Räume wider.

 

Fotos: ANTROBIUS