MATADERO_Madrid: Kulturelle Zukunftssicherung durch Management

 

Künstler haben sich immer schon die absterbenden Teile einer Stadt einverleibt. Diese Synergie zwischen Raum und Kultur wird allerdings oft nur geduldet, solange kein wirtschaftliches Interesse an den einverleibten Räumen besteht.

Von Peter Koziel

Ob Gängeviertel, Prenzlauer Berg oder die Motorhallen von Detroit. Diese Stadtteile, bzw. Häuser, können temporär zum Innovationsmotor der kulturellen Entwicklung einer Stadt werden. In Berlin machte der zur Verfügung stehende Raum die deutsche Hauptstadt so zu einem zentralen Punkt des weltweiten kreativen Outputs kontemporärer Kunst. In Madrid wurde dies anscheinend nun mit mehr Weitblick angegangen: Das Matadero. Die Stadtverwaltung verleibte sich einen morbiden Raum ein und bietet ihn kontrolliert für die Kulturproduktion an. Beim angebotenen Komplex handelt es sich um einen imposanten Industriebau aus dem Jahre 1911  –  eine riesiger Schlachthof – der bis 1996 genutzt wurde. Der Raum liegt recht zentral, weniger als 2 km vom Hauptbahnhof, in der Nähe der U-Bahnstation Legazpie. Die Verwaltung hat es geschafft durch Kooperationen mit privaten und öffentlichen Trägern ein Raummanagement zu kreieren, welches die großdimensionale Architektur ausfüllt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das Gelände soll gezielt als Innovationsmaschine für die spanische Kultur der Zukunft genutzt werden. Allerdings machen die Projektträger den Raum durch (möglicherweise zu hohe) Zugangshürden vor allem zu einem Platz etablierter Künstler – mit eher internationalen Flair. So wurde zwar ein Kulturraum geschaffen, gesichert und dem Immobilienmarkt entzogen, die innovativste Kunst der spanischen Hauptstadt wird wahrscheinlich dennoch in weniger regulierten, ausrangierten Räume stattfinden.

Innovationspotential für die Stadt der Zukunft: ****
(4 Sterne; Beeindruckendes öffentliches Kulturraum-Management – aber ausbaufähig)

 

Peter Koziel ist Diplom-Ingenieur für Stadtplanung. Sein Blog stadt2punkt0 spiegelt seine persönliche Begeisterung für Innovationen und ihren möglichen Einfluss auf die Zukunft unserer urbanen Räume wider.

 

Fotos: ANTROBIUS