OUTSIDE GDR. Wie die “DDR” an einem Abend in Ost-Berlin irgendwie draußen blieb.

 

„Outside GDR“ – eine Fotoausstellung über die Außenseiter in der DDR überrascht als Familienabend.

von Wolf-Christian Ulrich

Der Titel „Staatsgalerie Prenzlauer Berg“ für zwei wunderbar abgeranzte Ausstellungsräume am Fuße der Greifswalder Straße ist so überzogen und ironisch, dass die Erwartungen durchaus groß waren, an dieser Stelle etwas wildes über den Punk und die Abweichler in der DDR zu erfahren. Mindestens etwas davon zu sehen, was man etwa bei Adolf Endler gelesen hatte. Vielmehr noch das, von dem man noch nichts gehört hatte.

Es hätte sich gelohnt, zumal die Ausstellungsmacher durchaus immer noch auf ein großes Netzwerk in der Stadt zurückgreifen können. Das wäre vielleicht gerade jetzt vor allem notwendig gewesen: da einige hundert Meter entfernt von “Schwabylonien” die Rede ist. Und es gut getan hätte, etwas von der Geschichte jenes Ortes zu erzählen, an dem heute Spätzle auf Käthe für einen schalen Skandal ausreichen. Stattdessen wurde die Vernissage vor einigen Tagen ein recht privater fröhlicher Abend mit vielen Gästen.

Sensible Portraits von Menschen, die in DDR ein ähnliches Leben führten wie wir drüben; mit allen Festen, Nöten, der Freude und dem Frust, den die Jugend bereithält. Eine wunderbare Hochzeitsszene. Ein Gefühl für die Stimmung einer Generation, die in einem Zwischenraum zu schweben schien, zwischen politischer Wirklichkeit und der Freiheit im eigenen Sein.

 

Hartmut Beil: Domes Wolga, Ostberlin 1989

 

Das sind für jeden jungen Menschen immer private Momente; und so ist das Gefühl, sich “outside” einer Gesellschaft zu sehen, auch universelle Erfahrung – zumal der Jugend. Doch diese Ausstellung trägt nunmal die “GDR” im Titel – wobei sich der Titel durch die Englische Sprache schon der deutschen Wirklichkeit und politischen Realität einer “DDR” entzieht, die tatsächlich in den Bildern wenn überhaupt dann nur verschlüsselt zum Vorschein kommt.

 

Wolfram Ehrhardt: “Omme”, Ostberlin 1986

 

Für diesen Ort, für dieses Netzwerk, für diese Zeit dann eine verblüffend blutleere Show; die eher von den Geschichten lebte, welche die Gäste am Abend der Vernissage  „von früher“ erzählten.

Die Ausstellung steht im Zusammenhang mit der Schau „Geschlossene Gesellschaft – Künstlerische Fotografie in der DDR“, die noch bis Ende Januar in der Berlinischen Galerie gezeigt wird. Schon jener historische Überblick über Fotografie in der DDR verblüfft durch ihre bemerkenswert unpolitische Haltung. Das kann man gut finden, folgt man der Linie der Ausstellungsmacher, Fotografie in der DDR vor allem stilistisch einordnen zu wollen. Doch wer ein Stück DDR miterlebt hat – und sei es nur von außen – fragt sich: kann man ein solches Land erzählen ohne den politischen Zusammenhang? Genauso sonderbar unpolitisch geht es in der Staatsgalerie zu. Tolle, schöne Portraits sind das, zum Hingucken, zum drüber Reden – aber welches aktive Moment des “outside”-Seins wird gezeigt? Was wir sehen ist eher innere Emigration.

Die Abwesenheit offener gesellschaftspolitischer Diskussion in beiden Ausstellungen lässt diejenigen etwas ratlos zurück, die sich nicht nur mit ästhetischem Interesse einem an sich doch spannenden Projekt an zumal hoch spannendem Ort einfinden – um etwas über den Untergrund in der DDR und seine Protagonisten zu erfahren.

So war es ein freundliches Klassentreffen – zu dem bezeichnenderweise viele über 40 und wenig unter 35 erschienen. An diesem Abend im Prenzlauer Berg blieb die Geschichte unter sich.

 

Alle Fotos: Staatsgalerie Prenzlauer Berg

Titelfoto: Michael Biedowicz – „Almö“, Ostberlin 1987