PR-Gag Maya. Was uns der geheimnisvolle Dresdner Codex wirklich sagt.

 

Am 21. Dezember 2012 soll es jetzt wirklich endlich soweit sein. Der Weltuntergang. Zumindest hört und liest man überall davon. An diesem Tag nämlich erreicht die Zeitrechnung einer uralten Kultur einen kritischen Punkt. Doch was ist dran, am Mythos über den Maya-Kalender?

Von Wolf-Christian Ulrich

Die Recherche nach jenem magischen Kalender führt nach Dresden.

Dort lagert eine Sensation. Eine der drei Maya Handschriften, die überhaupt noch auf der Erde existieren, 800 Jahre alt. Die katholische Mission hatte ihre Schriften verbrannt. Der Codex ist Dresden ist eine von drei Handschriften, die überhaupt noch erhalten sind. Der Bonner Altamerikanist Prof. Nikolai Grube kennt den Drsdner Codex genau. Er ist der wahrscheinlich renommierteste Maya-Forscher unserer Zeit. Er spricht ihre Sprache.

Als wir ihn zum Interview treffen, ist es Samstag früh, 10 Uhr. Grube ist auf die Minute pünktlich. Geduldig. Ruhig. Nur als es darum geht, wie Autoren, Filmemacher, Vorhersager und Sensationalisten den Maya-Mythos für waghalsige Weltuntergangsthesen missbrauchen, wird er emotional. Die Kultur der Maya wird damit vergewaltigt – das ist sein Vorwurf. Unter welchen Bedingungen die verarmten Nachfahren der Maya heute leben müssen, interessiert dagegen nur wenige.

Grube reist oft nach Mittelamerika, um den Nachfahren der Maya wieder Zugang zu ihrer alten Kultur zu verschaffen. Und begleitet sie auch nach Dresden zum Codex. Für ihn Ehrensache. Interkulturelles Engagement. Wir treffen einen beeindruckenden Wissenschaftler.

Nikolai Grube zeigt mir Tafeln, die Seereisen und Flammen überlebt haben, Krieg und Zerstörung. Dass uns der Dresdner Codex erhalten blieb, grenzt an ein Wunder. Die Forscher arbeiten noch immer daran, die 74 kostbaren Tafeln zu entschlüsseln. Es ist eine Sysiphos-Aufgabe.

Das Rätsel um die Schriftzeichen fordert seit Jahrhunderten unsere Vorstellungskraft heraus. Vor allem diese Abbildung einer großen Flut.  Ausgespien vom Himmelskrokodil. Ist die wirklich Sinnbild einer tödlichen Sintflut – Vorhersage des Untergangs?

ANTROBIUS Jetzt gibt es ja eine Tafel die im Zusammenhang mit dem angeblichen Weltuntergang immer wieder besprochen wird, nämlich die große Flut. Können Sie diese Tafel, diesen Almanach mal einordnen in das was er eigentlich im Kalender zu sagen hat?

Nikolai Grube: „Ja. Diese Seite mit der großen Flut wird in der Regel isoliert betrachtet und das ist falsch. Sie steht in einem Zusammenhang mit einem längeren Kapitel in dem es um die Vorhersagen von Regenzeiten geht. Von großen Fluten und von Regen und von tropischen Stürmen.

ANTROBIUS Also ich muss mir diese Tafel als eine Art Wettervorhersage vorstellen?

Nikolai Grube: „Ja, so kann man sich das vorstellen. Eine Wettervorhersage, eine Warntafel für eine große Flut.“

Fehlt noch Antwort auf ein Rätsel: Was ist mit dem Maya-Kalender? Immer wieder habe ich auf dieser Reise eine Frage gehört: Stimmt es denn wirklich, dass der Maya-Kalender am 21. Dezember 2012 endet?! Maya-Forscher Nicolai Grube kann es nicht mehr hören.

Nikolai Grube: „Tatsächlich geht an diesem Tag in der Vorstellung der Maya ein 13. 400-Jahre-Zyklus seit der Erschaffung des Universums zu Ende. Und es kann sich vielleicht um ein Tag oder weniger Handeln, da sind die Wissenschaftler sich noch nicht ganz einig.”

ANTROBIUS Geht’s denn danach noch weiter?

Nikolai Grube: „Das ist die Frage die immer gestellt wird. Und ich kann Sie beruhigen, da haben wir zumindest Informationen aus dem Dresdner Kodex. Ja! Es geht weiter, die Maya zählten die Zeit weiter, auf den 13. 400-Jahres-Zyklus folgt ein 14. und ein 15. Und vermutlich noch viele hundert und tausend und Abermillionen von Jahren. Was die Maya mit dem Datum 2012 verbanden, wissen wir nicht richtig. Ganz sicher war es aber kein Weltuntergang. Mehr als ein Übergang von einem Zyklus zum anderen, ist das nicht gewesen. Man muss sich das vorstellen wir bei uns: der Übergang von einem Jahrtausend zum anderen.“


Mehr zum falsch verstandenen Mythos der Maya und der Faszination mit der Apokalypse ab heute in “Ulrich protestiert gegen den Weltuntergang!” auf ZDFinfo. 

 

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Fotos: Alexander Griesser