Ratschläge sind auch Schläge. Wie man sich an das hält, was man anderen sagt.

Das Leben ist kurios. Letztens plauderte ich mit einem Freund über meine neue website. Er sagt lauter kluge Dinge. Und am Ende: „Das habe ich alles von Dir gehört.“

Von Kerstin Köhler

Ich war gebührend beeindruckt. Gleichzeitig auch überrascht. Weshalb gelingt es mir, für Andere den Fokus zu setzen, nur bei Sachen die mich betreffen, gelingt es nicht (immer)? Eine Erfahrung, die sicher jeder von uns macht: wenn man sich doch bloß an seine eigenen Ratschläge halten würde… !

Für solche Phänomene gibt es diverse Bespiele. Grundfrage ist vermutlich die nach unserem „Blinden Fleck“ in unserer Wahrnehmung. Oder: Es ist oft einfacher, auf Andere(s) drauf zu schauen, als in sich rein zu blicken.

Draufsicht geht besser als Einsicht.  Wir brauchen eben manchmal auch eine gewisse Anschubenergie von außen. Und wenn es passt, dann klappts. Tipps oder Hinweise, die wir von Anderen erhalten, sind also prinzipiell was Schickes.

Manchmal stimmt allerdings das Timing nicht. Oder wir sind “nicht reif für diese Erfahrung“ (immer noch eine Lieblingsaussage einer ehemaligen Dozentin von mir).

Es gilt außerdem: Ratschläge sind auch Schläge. Im Umgang miteinander benötigen wir demnach eine Sensibilität für uns und für die anderen. Aber da gibt’s Unterschiede. Was einigen leid tut, ist für andere schon schmerzhaft.

Und: Sensibilität ist im Umgang miteinander oft Glückssache. Jeder, der bei der Hitze S-Bahn fährt, anderen Menschen die Tür aufhält oder einfach nur freundlich im Café grüßt, kann ein Lied davon singen: Olfaktorische Belästigung, ignoriert werden oder abschätzige Blicke ernten. Wieso? Das Leben ist kurios.

„Die Welt gehört dem, der nicht fühlt. Die Grundvoraussetzung, um ein praktischer Mensch zu werden, ist ein Mangel an Sensibilität.“ 
Fernando Pessoa

 

Kommunikation ist ihre Spezialität. Kerstin Köhler coacht diejenigen im Land, die das Sagen haben. Und ist davon überzeugt, dass die Welt ein kleines bisschen besser wäre, wenn der Ton zur Abwechslung auch die richtige Musik machte. Jeden zweiten Mittwoch auf ANTROBIUS.

 

 

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 Foto: Ausschnitt aus einer Arbeit von Eva Kotatkova.