schloss@Kotti reframed

Das Schloss steht zwar noch nicht in Mitte – aber zumindest schonmal am Kotti. Seit gestern Abend, für einen Monat und aus Styropor. Dank Larissa Fassler, die in ihren Arbeiten die Topographie der Stadt mit urbanem Überleben verbindet.

In Berlin ist diese Woche die Kunst los: Preview und Stroke rauben fast alle Kräfte. Abseits der Messen, mitten in SO36, zeigt SEPTEMBER-Berlin seit gestern Abend eine Show von Larissa Fassler: die das berüchtigste Stadtschoss (auf das die Hauptstadt fieberhaft gar nicht wartet) in Teilen aus Styropor nachgebaut hat.

Die Kanadierin, die seit einigen Jahren in Berlin arbeitet, setzt sich seit langem mit Architektur und Stadt auseinander – und wie Orte und Gebäude in einen sozialen Raum eingebunden sind. Das Kottbusser Tor – heute Kristallisationspunkt der Berliner Hipster und in unmittelbarer Nähe zur Galerie – war bereits Thema in einer ihrer Arbeiten. Architekturzeichnung trifft auf die Ikonografie des Konsums trifft auf Zeugnisse sozialer Bewegungen und Interaktionen. Alles handgezeichnet, ein Sozialarchiv eines öffentlichen Ortes, in das man immer tiefer hineinsehen kann.

 

Der Mensch formt den öffentlichen Raum – und steht in ihm in sonderbarer Beziehung. Seltsamer Effekt, wenn die historisierte Neufassade des noch nicht wieder aufgebauten Schlosses auf Menschgröße geschrumpft in Styropor erscheint: und dabei auf eine Dimension reduziert wird, die die ganze Schlossidee schließlich etwas lächerlich erscheinen lässt.

Es sind Orte wie der Transitraum Kotti, die U-Bahnschächte, Bürgersteige, Verbindungstrassen, die der Kultruranthropologe Marc Augé als Nicht-Plätze beschrieben hat. Die jedoch in den Arbeiten von Larissa Fassler aufgelöst werden in Orte, die von Menschen genutzt und geprägt werden. Sie seziert Umwelt im städtischen Raum. Auf eine ungemein aufregende und klare Art.

 

Fotos: David Oliveira / SEPTEMBER Berlin