“Stellt gleich, was gleich ist.” 39 Promis zeichnen Petition für die Liebe.

Um 10 Uhr heute Vormittag und bei sonnigem Wetter radelte Martin Speer ins Regierungsviertel und hielt an zwei Briefkästen: dem am Kanzleramt, und dem vom Präsidenten des Deutschen Bundestags. Bewegt von der jüngsten Weigerung der Mehrheit der Abgeordneten, für die rechtliche Gleichstellung der sogenannten Homo-Ehe zur anderen Ehe zu stimmen, protestiert er für eine Gleichstellung der Liebe. Unterzeichnet hat eine beeindruckende Liste von 39 Prominenten.

 

“Offener Brief an die Mitglieder des Bundestages

Stellt gleich, was gleich ist!

Sehr geehrte Mitglieder des Bundestages,

es gibt Momente in unserer Geschichte, da öffnet sich ein Fenster der Vernunft und wir als Gesellschaft haben die Chance hindurchzuspringen. Hinein in eine menschlichere Zukunft. Die Frage um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist genau so ein besonderer Moment. Es ist eine Frage, die uns alle betrifft und die uns alle bewegt. Denn es geht um nichts Geringeres als den Kern unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses; unser Bild von Ehe, Familie – und Liebe. Die große gesellschaftliche Frage lautet: Wollen wir, die Bürger dieser Republik, wirklich die Liebe zwischen zwei Menschen mit zweierlei Maß messen?

Wir und drei Viertel der Bevölkerung sagen nein! Denn Liebe kennt kein Geschlecht. Gleichgeschlechtliche Liebe ist Liebe wie jede andere auch. Sie kennt Freude, Trauer, Schmerz und Zuversicht. Sie wird unter Herzschlagen geboren, bleibt erhalten, kann aber auch unter Tränen vergehen. Sie ist Teil unserer menschlichen Natur, Teil der Schöpfung und so alt wie wir selbst. Und damit trägt sie auch etwas tief Menschliches in sich; den Willen zur Verantwortung. Für sich selbst und die Zukunft, unsere Kinder!

Die Zeit ist gekommen, dass wir den Irrglauben der Jahrhunderte hinter uns lassen und die Augen für die Realität öffnen. Frei von ideologischer Verblendung und der Angst vor dem Morgen. Denn Wahrheit ist: Liebe ist das, was uns zum Menschen macht. Sie in zwei Klassen zu unterteilen ist alles, nur nicht menschlich. Wenn zwei Menschen egal welchen Geschlechts sich füreinander entscheiden und Verantwortung für sich, die Gesellschaft und die geborene als auch ungeborene Zukunft übernehmen wollen, dann ist dies zutiefst schützenswert. Denn es ist jenes Band der Verantwortung, das unsere Gesellschaft im Kern zusammenhält. Familie und Ehe ist, wo Liebe wohnt! Wir wenden uns mit diesem Brief an alle Mitglieder des Bundestages und treten für die vollständige Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare ein. Wir appellieren:

Überwindet Parteigrenzen und stellt gleich, was gleich ist!

Denn Liebe ist das, was uns zusammenhält.

 

Mit zukunftsgewandten Grüßen,

Die Unterzeichner
(in keiner besonderen Reihenfolge)

 

Martin Speer (Initiator)                 

Martin Walser (Schriftsteller)                                                                                         

Kenan Kolat (Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland)                                   

Günter Grass (Schriftsteller, Literatur Nobelpreisträger)

Til Schweiger (Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor)                 

Kilian Kerner (Designer)                                   

Wenzel Michalski (Director, Human Rights Watch)                                                     

Roger Willemsen (Publizist, Fernsehmoderator)

Marlene Streeruwitz (Schriftstellerin und Regisseurin)

Dr. habil Elmar Schreiber (Präsident der Jade Hochschule)

Dr. –Ing. Detlev Buchholz (Präsident der Fachhochschule Frankfurt/Main)

Moritz Rinke (Dramatiker, Schriftsteller)

Renate Schmidt (Bundesministerin a.D.)

Burkhard C. Kosminski (Intendant Schauspiel, Nationaltheater Mannheim)

Jens-Daniel Herzog (Intendant der Oper, Theater Dortmund)

Prof. Dr.rer.nat. Dr.h.c. Josef Stockemer (Rektor Hochschule Bremerhaven)

Prof. Dr. Annette Kreutziger-Herr  (Kultur- & Musikwissenschaftlerin, Autorin)

Prof. Dr. Philipp Hübl (Juniorprofessor für theoretische Philosophie, Stuttgart)

Prof. Dr. Sabine Schmidke (Universitätsprofessorin, FU Berlin)

Jasmin Tabatabai (Schauspielerin)                                                                       

Georg Christoph Biller (Dirigent, Thomaskantor zu Leipzig)

Bernd Loebe (Intendant, Oper Frankfurt)

Vincent-Immanuel Herr (Soziologe, Historiker)

Wolfgang Gründinger (Demokratieforscher, Publizist)

Dietmar Schwarz (Intendant der Deutschen Oper, Berlin)

Prof. Martin Rennert (Präsident der Universität der Künste, Berlin)                 

Klaus Jetz (Geschäftsführer, LSVD)

Prof. Dr. em. Hildegard Macha (Direktorin des Gender Zentrum Augsburg)

Bela B (Musiker, Die Ärzte)

Patrick Lindner (Sänger)

Gordon Müller-Eschenbach (Autor)

Dr. Martin Salm (Vorstandsvorsitzender, Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft”)

Dr. Angelika Taschen (Verlegerin)

Gudrun Gut (Künstlerin, DJ, Publizistin)

Andrea Hanna Hünniger (Autorin)

Tina Mendelsohn (Moderatorin Kulturzeit)

Dr. Charlotte Seither (Komponistin)

Katharina Grosse (Künstlerin)

María Cecilia Barbetta (Schriftstellerin)”

 

 

 

Martin Speer (26), Kritischer Zeitgeist, lebt in Berlin und studierte Kommunikationswissenschaften in den USA und aktuell Business Administration an der HWR-Berlin. Er war Teil des Teams von “Students for Barack Obama”, ist Mitglied bei Bündnis 90/den Grünen (Berlin Mitte) und engagierter Freund des Deutschen Symphonie Orchesters. Er denkt laut und leise über Generationengerechtigkeit, Wirtschaftsethik und die Verantwortung des Individuums in der Gesellschaft nach.

Foto: ANTROBIUS