Super-Bowl-Politik: #merkelkneift oder #doppelduell?

 

Unser politischer Bundestrainer Thorsten Faas über den Tag, an dem Peter Altmaier die Superbowl zum Schwitzen bringt, die #hashtags Nate Silver und Angela Merkel das Kneifen vorwerfen und die “47” eine tiefere Bedeutung erlangt.

Von Thorsten Faas

Puh, ich hoffe, ich kann die heutige Kolumne gut ausfüllen. Aber doch, ich bin guter Dinge. Denn was war das für ein sportlicher Krimi gestern! Nein, gemeint ist nicht das zuweilen ansehnliche „Verfolger“-Duell (aka „Spiel um Platz 2“) zwischen Bayer Leverkusen und dem BVB. Gemeint ist natürlich der Super Bowl, der gestern in seiner XLVII. Auflage stattfand. Warum man nicht einfach 47, sondern so leicht nerdy XLVII schreibt, bleibt eines der ungelösten Geheimnisse der amerikanischen Zahlenwelt. Aber sei es drum. Baltimore Ravens gegen San Francisco 49ers, zwei Brüder als Trainer, fast eine Milliarde Zuschauer weltweit – das größte Einzelsportereignis der Welt.

Und dann dieser Krimi. Mit 34:31 behielten die Ravens am Ende die Oberhand. Sie waren früh davon davongezogen, die Raben, aber die 49ers ließen sich nicht entmutigen, holten auf, kamen ran – um dann am Ende doch zu verlieren. Zwischenzeitlich war die Spannung so hoch und groß, dass Peter Altmaier als Energiebeauftragter des Super Bowl sich entschied, eine 36-minütige Strompreisbremse einzulegen.

Und der diesjährige Super Bowl hatte einen weiteren Skandal. Im Internet gab es einen Riesenaufschrei mit dem Hashtag #silverkneift. Nate Silver, spiritueller Anführer der Prognozisten, dessen Ruhm vor allem auf einer legendären Performance bei der letztjährigen Präsidentschaftswahl fußt, wollte im Vorfeld keine Prognose zum Spielausgang wagen. Es würde knapp werden, mehr war ihm nicht zu entlocken. Na toll.

Auch die Bundestagswahl im Herbst könnte knapp werden, das wissen wir nicht erst seit Niedersachsen. Aufholjagden wird es geben. Rückschläge. Treffer. Strategien. Und es wird auch dann ein größtes Einzelereignis im Vorfeld dieser Wahl geben: Das TV-Duell. Merkel gegen Steinbrück. Frau gegen Mann. Amtsinhaberin gegen Herausforderer. 2002 (Schröder gegen Stoiber) schauten 2x 15 Millionen zu, 2005 (Schröder gegen Merkel) waren es sogar 21 Millionen, 2009 (Merkel gegen Steinmeier) waren es 14 Millionen. Kein anderes Einzelereignis im Vorfeld einer Wahl hat eine solche Reichweite.

Das haben auch Peer Steinbrück und die SPD erkannt und in der vergangenen Woche zwei Duelle gefordert. Die Amtsinhaberhin dagegen hat diese Strategie kühl ins Leere laufen lassen. #merkelkneift war daraufhin im Internet zuweilen zu lesen. Es sei eine gute Tradition, ließ sie ihren Sprecher ausrichten, dass es ein Duell im Vorfeld einer Wahl gebe. Wäre ja auch komisch, wenn es zwei Super Bowls gäbe. Auf der anderen Seite gibt es im amerikanischen Kontext ja auch drei presidential debates. Aber amerikanische Verhältnisse wollen wir in Deutschland ja nicht.

Zu hoffen bleibt dabei, dass beim TV-Duell 2013 nicht so viele Leute wie bei einem Super Bowl auf dem Platz stehen. 2009 soll das ja so gewesen sein. Ein Moderator, zwei Diskutanten. Das wär doch mal was.

Dr. Thorsten Faas twittert als @thorstenfaas über seine Spezialgebiete Wahlen, Wahlkämpfe und Wahlstudien, mit Einsprengseln aus Fußball und Society. Auf ANTROBIUS untersucht er meist montags Machtfragen aus der Perspektive des bundespolitischen Bundestrainers und schreibt im Wechsel mit Dr. Bieber.

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Foto: ANTROBIUS