“THAT USED TO BE US”: Die To-Do-Liste für Barack Obama.

Grade jetzt, wenn Amerika über seine kommenden vier Jahre entscheidet, lohnt es sich, mal wieder „The West Wing“ zu schauen. Wie es da dem Stab des Präsidenten immer wieder gelingt, mit markigem Auftreten und politischem Geschick Mehrheiten zu stemmen für Gesetze.

Und dann mal mit heute vergleichen: Die USA, ein Land vor mittlerweile schweren Herausforderungen; nahezu unfähig, zu politischen Entscheidungen zu kommen. Weil ein wesentlicher Faktor der amerikanischen Politik nicht mehr funktioniert: Der Kompromiss über Parteigrenzen hinweg zu einzelnen Themen.

Obama ist – seine Schwäche hin oder her – einer einmaligen Blockade der Republikaner ausgesetzt; diese wiederum durch eine heillos rückwärts gewandte und populistische Tea-Party-Bewegung getrieben. Das wäre nur halb so schlimm, würde das Land nicht vor riesigen Problemen stehen, die Starkolumnist Thomas L. Friedmann und Außenpolitik-Experte Michael Mandelbaum in ihrer großartigen Analyse „That Used to Be Us“ auf 360 Seiten auflisten – die sich lesen wie ein verzweifelter Ruf zur Besinnung.

Sie beschreiben eine Politik, die nicht mehr effizient Probleme erkennt, angeht, löst. Die sich nicht kümmert um die größten Probleme Bildung, Defizit und Schulden sowie Energie und Klimawandel. Um eine Antwort der USA auf die Globalisierung und (nach dem kalten Krieg) auf eine neue Weltordnung. Die aufgegeben hat, die amerikanische Größe aufrechtzuerhalten. Der Grund für den Stillstand: Die Politik ist gespalten und in Feindschaft erstarrt.

Fiedman und Mandelbaum beschreiben zu Beginn, wie in China neue Städte und Flughäfen in rasender Schnelle aufgebaut werden – während in ihrer Heimatstadt die öffentliche Infrastruktur verkommt. Und starten dann zu einer Generalabrechnung, die beweist, wie ihr Land auf allen Ebenen langsam vor die Hunde geht. Die Sozial- und Bildungsmisere haben amerikanische Militärs inzwischen zur Gefahr für die innere Sicherheit erklärt: Weil nicht mehr genügend fähige junge Männer für den Dienst in der US-Army zu finden sind.

Das schlimmste bei all dem: Es hat sich Resignation breit gemacht, „People have sort of gotten used to it.“ Dieser Satz steht am Beginn des Buches. Wir sollten ihn aufmerksam lesen.

Die Aufgabenliste für den nächsten Präsidenten ist lang. Und der Weg zum Erfolg wird nicht einfacher. Einer seiner Berater gibt in der fünften Folge der ersten West Wing Staffel seinem Präsidenten nach einem langen Tag mit auf den Weg: „We’ve been speaking more and more of enemies lately.“ Das war eine Vorsehung des wahrscheinlich größten Übels, das die Amerikaner heute lähmt.