The nerd’s perfect Karneval. How to dress up digital.

 

“Die Fastnacht, der Fasching, der Karneval waren und sind geprägt von dem jeweiligen gesellschaftlichen Zeitgeist und nicht zuletzt von den Menschen, die sie erst beleben.” Der ultimative digital style-guide to Fasching. 

Von Christoph Bieber

Karneval – analoges Vergnügen für Jung und Alt? Okay, vielleicht eher für ganz jung und eher älter – unabhängig davon wirkt die Digitalisierung auch hier. Die relevanten Brauchtumshochburgen sind längst bei Facebook aktiv, auf Twitter sammelt der Account @karneval Materialien aus allen närrischen Regionen und der Dachverband Bund Deutscher Karneval hat sicherheitshalber eine Ethik-Charta aufgelegt – daraus stammt das obige Geleitwort zum Artikel.

Am Wochenende und vor allem dem heutigen Rosenmontag stehen die großen Karnevalsumzüge im Vordergrund, und auch hier lassen sich zahlreiche Folgen einer Digitalisierung des Brauchtums erkennen: Unzählige Kostüme weisen einen Bezug zu Internet-, Computerspiel- und Netzkultur auf.

Nachfolgend eine unvollständige Liste naheliegender, wahrscheinlicher und wünschenswerter Kostümierungen – karnevalsgemäß versammelt in 11 Einträgen:

11. Computerspielfiguren

Supermario war gestern, Pac Man letzte Woche, die Hobbits zählen nicht. Folgt man den Listen der digitalen Fachhändler, so dürften in diesem Jahr wohl Schwärme von Angry Birds auf den Partymeilen zu sichten sein. Eigentlich die einfachste Variante des Digitalkarnevals, historisch eine Fortführung der Verkleidung als Film- oder Comicfigur. Vgl. auch #7.

10. Hardware

Ein Klassiker – eine Verkleidung als Computergehäuse ist nicht schwer herzustellen (in der Basisversion genügen Karton und Filzstift), interessant wird es, wenn man sich an einer Art karnevalistischem Case-Modding versucht und einzelne Bauteile wie Platinen, Festplatten, Tastatur oder Maus integriert. Impuls für #9, #6 und #4.

9. Roboter

Die logische Erweiterung von #10 – durch die weitere Verpackung von Kopf, Armen und ggf. auch Beinen lassen sich schnell Bender-artige Ganzkörperkostümierungen entwickeln. Oft nur eine Durchgangsstation zu #6.

8. Nerd

Nicht erst durch die überraschend erfolgreiche Ausstrahlung von Big Bang Theory (vgl. #11) ein Kostümlieferant. In Deutschland hat der Aufstieg der Piratenpartei beinahe zum Erreichen von Motivwagen-Niveau geführt. Als Ausstattungsstereotype gelten dicke Brille, schlechte Frisur, zugeknöpftes Hemd (gerne mit Kugelschreiber in der Brusttasche), zu kurze und/oder karierte Hose – in der politischen Variante wahlweise Sandalen, Helm oder die Farbe Orange.

7. Ikone

Nein, nicht „Icon“ – das ist ziemlich 1990er (okay, beim Facebook-Daumen könnte man evtl. eine Ausnahme machen). Karnevals-Klassiker sind seit jeher Verkleidungen als konkrete Person – auch in der Weltgeschichte der Computer- und Netzkultur bieten sich seit ein paar Jahrzehnten immerhin ein paar Ikonen an. Da Bill Gates hierzulande inzwischen 150 Jahre alte Parteien berät und das Marc Zuckerberg-Kostüm mit Badelatschen und –mantel eher uncool aussieht, drängt sich – natürlich – die Variante „Steve Jobs“ auf. Dank des in Kürze startenden Biopic Bezüge zu #11.

6. Tablet

In den vergangenen Jahren mischten sich zunehmend tragbare digitale Kleingeräte unter die Karnevalsmassen (erst waren es iPods, dann Smartphones) – mittlerweile dient auch das populäre Genre des Tablet-Computers als Inspiration zur Kostümierung. Nahe Verwandtschaft mit #10.

5. Cyborg

Gewissermaßen die Case-Modding-Variante des Roboters – besonders eindrucksvoll umzusetzen durch die implantathafte Verwendung von Platinenteilen wie hier. Auch machbar in der hochmodernen und kostspieligen Variante mit zwei (!) iPads.

4. Digitale Kamera

Motive gibt es genug und was auf Konzerten oder im Stadion funktioniert, gilt natürlich auch für Karnevalsumzüge und Prunksitzungen: es wird geknipst, was vor die Linse, das Tablet oder das Smartphone kommt. In der Kostümvariante zugleich ein subtiler Kommentar zum Umgang mit digitalen Bildern und der Post-Privacy-Debatte. Die logische Weiterentwicklung von #10 und #6.

3. Das 8-Bit-Ich

Wer hätte das gedacht: „Schwellköppe“, überdimensionale Pappmasken, die weithin sichtbar als eine Art tragbare Karikatur fungieren können, gibt es auch in elegant. Dieser Quadratkopf sorgt für einen stilsicheren Auftritt.

2. Kim Schmitz

Ja, der. Nichts für Weicheier.

1. Der Pixel

Die Reduzierung auf das Urelement der digitalen Bildschirmdarstellung – aber nicht durch den Umbau des Körpers mit einem quadratischen Pappklotz, sondern durch geschicktes Auftragen pixelförmiger Farbquadrate im Gesicht.

 

Wenn Du auch in Zukunft keine Kolumne von Dr. Bieber verpassen möchtest, folge ANTROBIUS jetzt auf Twitter!

Prof. Dr. Christoph Bieber alias @drbieber twittert als social scientist with interests in media, politics, popular culture. okay, and sports. Die Kapazität in allen Fragen rund um Netzpolitik und Vernetzung der Gesellschaft rantelt auf ANTROBIUS meist Montags aus der Perspektive des Pixel-Papas und im Wechsel mit DR. FAAS.