mash-up my Funkmast: Thea Drechsel über kollaborative Kunst.

 

Manchmal reicht das Lieblingsdingens nicht mehr aus und man muss es unbedingt kombinieren mit einem anderen Lieblingsdingens. Das ist die Kurzdefinition von Mash-ups, bekannt in der Musik schon lange vor Glee, auf ZDFneo durch die Neuvertonungen alter Derrick-Clips fürs Fernsehen veredelt. Thea Drechsel und Willem Jan Smit zeigen, wie es in der Kunst funktioniert.

Es ist eines dieser Bilder, die einem ins Auge fallen, auch wenn sie unmäßig irgendwo in der Ecke hängen. Wie beim jüngsten UdK-Rundgang ein Gemälde von Thea Drechsel. Zwei Funkmasten in rauher Landschaft. ANTROBIUS hat sie ausfindig gemacht. Die Masten hatten gleich zwei Assoziationen hervorgerufen. Die Funkmasten, mit denen Guglielmo Marconi 1901 das erste Mal über den Atlantik funkte: von Cornwall bis Neufundland. Oder an die Totempfähle, die aus dem Nebel in die Höhe ragen, wenn man sich frühmorgens mit der Fähre Alert Bay nähert, eine kleine Insel westlich von Vancouver Island. Der zweite Tipp war nicht so richtig ganz falsch.

Nun fragt man einen Künstler nie, was “es denn bedeutet”, aber Thea Drechsel war so freundlich, dennoch zu antworten. Und siehe da: Die Vermutungen waren nur halb daneben, aber trotzdem: ja, leider völlig falsch. Immerhin scheinen die Masten noch andere angefunkt zu haben – und so entstand ein fröhlicher Mash-up mit Willem Jan Smit.

 

 

THEA DRECHSEL: “Meist arbeite ich an mehreren Bildern gleichzeitig und sehr prozesshaft, gehe wieder und wieder in Flächen rein, übermale bereits ausgearbeitete Partien. Dieses Bild entstand nach meinem Auslandsstudium an der Emily-Carr University of Art and Design in Vancouver und ist für mich noch immer mit dieser Zeit verbunden. Ich habe den Hintergrund begonnen, bevor ich ging, das Bild dann stehen gelassen und erst fertigstellt, als ich wieder nach Berlin zurückkam. Skurrilerweise fließen neue Orte meist erst in Bilder ein, nachdem man sie verlassen hat.

Kürzlich fertigte ein befreundeter Künstler namens Willem Jan Smit ein digitales Mash-Up zwischen meinem Bild und einer seiner kollaborativen Arbeit mit der Künstlerin Cemrenaz Uyguner an. Ihre ortsspezifische Skulptur „The Laundry Day“ besteht an sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Textilien, Holz und Kleidern, die wie eine Leinwand grundiert und danach bemalt wurden – an sich ganz wie bei einer Malerei, wodurch das Zusammenfügen der an sich unterschiedlichen Medien auch so wunderbar aufging.

 

Ich finde es unheimlich bereichernd ab und an mit anderen zusammen zu arbeiten, sich auszutauschen, rumzuprobieren. Wenn man Anderen ab und an „erlaubt“ in die eigenen Bilder einzugreifen, begreift man teilweise erst durch den Kontrast wie man selbst vorgeht und was wirklich spezifisch an der eigenen Arbeitsweise ist.

Das Originalbild ist durch eine Weite bestimmt, die über den Bildrand hinauszugehen scheint, bei der schwer einschätzbar ist auf welche Distanz man hier schaut, wie hoch die Masten sind, wie weit sie auseinanderliegen. Durch das Einziehen der Wäscheleine ist das Bild nun in seinen Bezugspunkten viel eindeutiger und fast zum reinen Gegenteil von Weite mutiert – erinnert nun vielmehr an einen seltsam entrücktenVorgarten mit Wäscheleine.”

Bilder: Thea Drechsel, Willem Jan Smit