Trotz allem glücklich! Wie man jeden Alltag überlebt.

 

#Berlin:  333.000 Hundehaufen – das sind übelriechende 55.000 Tonnen Kot – wurden 2012 auf Berlins Bürgersteigen ausgeschieden. Und zwar täglich. Trotzdem kann man auch hier: glücklich sein. Here’s how!

Von Mazda Adli

Als mich neulich jemand nach den Regeln für mehr Glück fragte, dachte ich folgendes: Wer kann, steht dieser Tage auf einem unserer unzähligen Weihnachtsmärkte herum. Oder zappt durch TV-Jahresrückblicke. Sie zeigen uns, dass die Schokoladenseite des Lebens eben doch weit ins Grauingrau des Alltags reichen kann. Trotz allem glücklich, das ist die Devise!

Glücklich bin ich in diesem Jahr über die Berliner Taxifahrer, die sonst in den Klischeeenzyklopädien als maulfaule und übellaunige Zeitgenossen dahingestellt werden. Sehr zu Unrecht, fand ich unlängst als mich eine wissbegierige Taxifahrerin zu einem Fernsehinterview über Großstadtstress fuhr, das ich auf Englisch führen sollte. Als sie davon erfuhr, fing sie an, englische Formulierungen mit mir zu üben. Sie sei schließlich Journalistin. Bis heute bin ihr ich dankbar für die pragmatische Hartnäckigkeit. Das Interview wäre ohne die Taxijournalistin sicher durch manchen Vokabelpatzer unelegant verlaufen.

Weniger nützlich war hingegen die Vorbereitung, die mir ein Schweizer Taxifahrer zuteil kommen ließ: Er fuhr mich vom Flughafen Zürich zu einem Vortrag zum selben Thema. Sichtlich darüber erheitert, schlängelte er das Fahrzeug immer weiter in eine ländliche Idylle, bei der man vor lauter Märchenhaftigkeit jederzeit mit Elfen, Wutzen und sprechenden Fliegenpilzen auf dem Feldweg rechnen musste. Schließlich fuhr er entzückt rechts ran und bewunderte die grandiose Aussicht. Recht schnell gelangte ich zur Überzeugung, ich sollte in diesem Teil der Welt vielleicht lieber Grimms Märchen vorlesen und dazu auf der Schnabelflöte spielen, als die seelische Verfassung lärm- und gewaltgeplagter Großstädter zu erläutern.

In Berlin hingegen sind metropolitane Themen zu jeder Zeit angebracht. Die ersten Jahresstatistiken sind bereits von den Stadtmathematikern gerechnet: 333.000 Hundehaufen – das sind übelriechende 55.000 Tonnen Kot – wurden 2012 auf Berlins Bürgersteigen ausgeschieden. Und zwar täglich. Die 80er Jahre muteten da idyllischer an: 1987 wurde die Station Dahlem-Dorf in Japan zum schönsten U-Bahnhof Europas gekürt.

Dennoch skandalös, dass auf dem nationalen Glücksatlas Berlin nur noch den 11. Platz ein (Platz 1: Hamburg, Platz 2: Düsseldorf) einnimmt! Das Ranking macht doch bitteschön ab Platz 2 stutzig, sage ich, und wende mich lieber der abstrakten Glücksforschung zu: Wie glücklich wir sind, liegt zu 50 Prozent an unseren Genen, zu 10 an unseren Lebensumständen und zu 40 Prozent an unserem Verhalten und Denkweisen im Alltag. Glücksforscher empfehlen daher, regelmäßig Glückstagebücher zu führen und täglich eine freundliche Nachricht an jemanden zu senden. In Berlins Glückstagebuch schrieb neulich ein bekannter Beobachter: Völker der Welt, schaut auf diese Stadt – denn landen werdet Ihr woanders! Frohe Weihnachten, Berlin!

 

Dr. Adli ist nicht nur Gründer des weltweit ersten Psychiater-Chors. Sondern auch einer der bekanntesten Stress-und Burnout-Forscher Deutschlands. Allein letzteres befähigt ihn in besonderer Weise für ANTROBIUS zu schreiben. Dr. Adli beobachtet unseren täglichen Kampf ums urbane Überleben als Wissenschaftler, mit Herz für die Kunst und mit einer fröhlichen Portion Weisheit.

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Foto: Stefan Ebling