Und wir sind doch eine Zahl. Wie die richtige Daten-Erhebung unsere Welt verändert.

 

Bundestrainer Thorsten Faas über Big Data von Goalmez, die Taktik von Barack Obama aus NateSilveranien und die unvorhergesehenen Auswirkungen direkter Demokratie am Beispiel von @_kge_ mit #Helm.

Von Thorsten Faas

Big Data – ganz klar. Mit Big Data hat Barack Obama die Wahl gewonnen. Und mit der Unterstützung von Wissenschaftlern. Verrückt. Und schon entbrennt eine Debatte im Nachgang zur US-Wahl, wie sie in den Sozialwissenschaften über Jahre hinweg kaum besser geführt wurde. Dort standen sich die „Quantis“ und die „Qualis“ gegenüber. Die Quantis der Wahl waren die Nate Silvers (der Prognosemeister selbst widmet sich übrigens schon der Wahl 2014, die Microtargeter  und überhaupt wohl Wissenschaftler mit ihren mathematisch-naturwissenschaftlichen Modellen.

Wir alle also (oder doch zumindest die Amerikaner) als berechenbare guinea pigs? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden inzwischen auch die kritischen Stimmen lauter: „I AM not a number. I am a free man!”, so beginnt Zeynep Tufekci seinen Artikel „Beware the Smart Campaign“ in der New York Times. Wiederholt sich Geschichte doch?

Ach ja, wir dürfen gespannt sein, was und wie viel davon im kommenden Jahr in Deutschland ankommen wird. Aber eines ist jetzt schon klar: Für vieles von dem, was in den USA „geht“, fehlen in Deutschland schlicht die Daten. Microtargeter im Prokrustesbett. Vielleicht ist das auch gut so.

Dass die Prognosen hierzulande noch nicht ganz so gut funktionieren wie in NateSilveranien hat ja auch die Urwahl der Grünen gezeigt. Noch Ende August war auf SpON zu lesen: „Einer Forsa-Umfrage unter Grünen-Mitgliedern zufolge hat sie (Renate Künast, TF) mit Abstand die besten Chancen, über diesen Weg einen Platz in der Doppelspitze für den kommenden Bundestagswahlkampf zu ergattern. Künast liegt demnach innerhalb des Bewerberinnen-Trios mit 42 Prozent deutlich vor Parteichefin Claudia Roth (29 Prozent) und Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (18 Prozent).“

Doch erstens kommt es ja bekanntlich anders und zweitens als man denkt. Plötzlich liegt @_kge_ – so der etwas holprige Twittername von Katrin Göring-Eckardt, auf ihrem dortigen Profilbild partiell durch einen recht voluminösen #Helm verdeckt – in der Urwahl vor den beiden anderen Damen. Insbesondere für Claudia Roth war die Urwahl ein Desaster… Undank ist eben doch der Welten Lohn, in diesem Fall der Dank der Basis. Schließlich war ja die Urwahl eine Idee von Claudia Roth. Dank #Candystorm bleibt uns und unseren Nerven aber Claudia Roth als Parteivorsitzende erhalten.

Und daraus können wir tatsächlich etwas über den Tag hinaus lernen: Prozesse direkter Demokratie und Prozesse repräsentativer Demokratie können schnell einmal in Konflikt zueinander geraten. Denn wer hat denn jetzt bei den Grünen die Hosen an? Göring-Eckardt wegen der Urwahl? Claudia Roth wegen des überwältigenden Rückhalts bei den Delegierten, die sie mit über 80 Prozent im Amt als Parteivorsitzende bestätigt haben? Wir werden sehen. Und lernen doch: Mal ein bisschen mehr direkte Demokratie zu etablieren, aber gleichzeitig zu glauben, ansonsten könne alles beim alten bleiben, das funktioniert nicht.

Big Data gab es diese Woche übrigens auch im Pressebereich, aber keine wirklich schönen Daten. Weder die FR noch die FTD (irgendwie läuft es nicht für Organisationen, die ein mit F beginnendes Kürzel haben) haben genügend Exemplare verkauft, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Schade eigentlich. Presse braucht Vielfalt – wir alle brauchen nicht nur big, sondern auch diverse data, um uns umfassend zu informieren.

PS: Big Data auch in der Bundesliga – Mario Goalmez is back: 4 Tore im Spitzenspiel beim Sechstligisten Falke Markt Schwaben. Daran kann auch das Kürzel „FCB“ – siehe oben – nichts ändern. Dagegen hatte das Welttor von Ibrahimovic als einziges wohl nichts mit Big Data zu tun. Das war einfach qualitativ genial.

 

Foto: ANTROBIUS