Von der Ästhetik des Lärms: großartige Installation von Nina Canell.

Das Jahr ist ja noch frisch, aber der Nerv-Faktor ist bei einigen bereits immens. Im Hamburger Bahnhof, dem Berliner Museum für Gegenwart, hat Nina Canell den Lärm des Lebens gedimmt. Er kriecht gewissermaßen in die Stille. Wie angenehm!

Von Peter Koziel

Der Hamburger Bahnhof. In Berlin. Ein Ausstellungsort auf dessen Fläche zu Beginn der Industrialisierung Züge Richtung Elbmetropole losdampften. Nur 37 Jahre lang, aber lang genug um sich das hastige Treiben, den Dreck und den schmerzenden Lärm der Zugbremsen vorstellen zu können. Der Lärm ist längst verhallt und findet jetzt einige Meter weiter statt.

Doch Nina Canell, eine Schwedin aus New York, bringt die Hektik zurück. Eine stille Hektik. Eine ohrenbetäubende Klingel unter Vakuum. Man merkt nicht den Lärm wenn man den Raum betritt. Erst wenn man sich in die Stille fallen lässt, hört man den Schalldruck der Installation. Wäre das Museum ein Ton, würde er sich so anhören?

Die Künstlerin hat das Werk The Uttermost Beat of the Heart [2011] zwar nicht speziell für die Räume des Museums hergestellt, aber anscheinend verstehe ich nur Bahnhof.

Nina Canell, Jahrgang 1979, ist mit weiteren großartigen Werken bis zum 21. April 2013 im Hamburger Bahnhof zu sehen.

 

Fotos: Peter Koziel