Wenn Gründer auf den Staat pfeifen

Heute wird der Deutsche Gründerpreis verliehen. Gestern Abend haben Gründer aus der IT-Start-Up Szene in der Hauptstadt diskutiert. Eine Industrie, um die eine moderne Wissensgesellschaft werben müsste. Doch der Staat wurde: belächelt.

 

von ANTROBIUS

Der entscheidende Satz kam von Fabian Heilemann, Gründer von DailyDeal, der sein Unternehmen für laut Reuters 114 Millionen Dollar an google verkauft hat. Heilmann sagte sinngemäß, wer seinen Lebenslauf damit ziere, monatelang auf ein staatliches Stipendium hingearbeitet zu haben, anstatt sich ums Produkt zu kümmern, der werde in der Szene mindestens mitleidig, auf jeden Fall aber skeptisch beäugt. Das Publikum lacht – bestätigend.

Förderprogramme, Steuergesetze, Bürokratieabbau. Klar. Aber Von der Politik erwarten die anwesenden Gründer offenbar nur noch wenig. Nur ein Punkt wird immer wieder angesprochen: Fachkräfte. Man müsse leichter an gute Leute rankommen können.

Nadine Schön, CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Saarland, engagiert im cnetz – der Netzgruppe der Union – verwies auf Bemühungen der Bundesregierung, beispielsweise Topleute aus Brasilien unkompliziert nach Deutschland zu holen und auch hier zu halten. Auch diese Diskussionen sind hinlänglich geführt: Von Einkommensgrenzen bis zur Willkommenskultur.

Doch auf einen Punkt wollte sich niemand richtig einigen, der fiel nur im Nebensatz: Das Argument, erstmal müssten die eigenen Arbeitslosen eine Chance bekommen. Und damit verbunden: die Bildungspolitik im Land. Denn natürlich können Start-Ups, die was werden wollen, nicht mit Kräften arbeiten, die nicht gut genug ausgebildet sind.

Genau deshalb es ist allerhöchste, krasshöchste, riesenhöchste, superhöchste Zeit sich zu fragen, warum unsere Leute offenbar nicht gut genug sind. Denn dieser Befund ist der größte Hohn für ein Land, das als einzigen Rohstoff nur sein Wissen und seine Exzellenz hat.

Die „Bildungsrepublik Deutschland“, von der Physikerin Merkel ausgerufen, von der Erziehungswissenschaftlerin Schavan und den zahllosen Länderministerialen vertreten, ist eine Farce. Die Kultusministerkonferenz, ich wiederhole mich gern, das teuerste Kaffeekränzchen, das sich die Bundesrepublik zumal in Krisenzeiten leistet. Wer bei den Gründen die Wörter Bachelor und Master in den Mund nimmt, wird dafür belächelt. Das sei gar nicht das Problem. Aber genau das ist das Problem. Die Hochschulen, Länder und der Bund haben diese größte Universitäts- und Lernreform der vergangenen Jahrzehnte mit Wucht, Einfalt und Desinteresse an die Wand gefahren. Wären sie Start-Ups, wären sie pleite.

Es ist ein Skandal, dass es nicht gelingt, jungen Abiturienten eine Bildungslandschaft vorzusetzen, die sie befähigt, in vernünftiger Zeit ihre trägen Hirne zu begeistern und zu ordentlicher Exzellenz auf einem Feld ihrer Wahl zu bringen. Es ist für die gesamte Universitätslandschaft fragwürdig, dass man in der Start-Up Szene beste Chancen vor allem hat, wenn man an der den Privatunis wie der WHU Vallendar studierte.

Was wir uns in Deutschland an Mittelmaß in der Ausbildung junger Kräfte erlauben, ist noch schlimmer als die gesamte Eurokrise zusammen: Es bringt uns um das Potential, unser Land aus jeder erdenklichen Lage herauszuholen.

Die Gründer tun indes ihre Arbeit. Schlagen sich durch, viele von ihnen erfolgreich. Wer’s schaffen will, muss es von alleine können, sagen sie. Klar. Ohne Pioniergeist kein guter Gründer. Doch neben einer guten Idee, einem wagemutigen Gründer und einem risikobereiten Kapitalgeber müssen vor allem auch die Wissensvoraussetzungen stimmen, damit die IT Branche erfolgreich weiter wachsen kann.

 

Foto: antrobius