Wie wir die Eurokrise an diesem Wochenende beenden

 

Idealismus ist eine wahnsinnig wichtige Angelegenheit. Man muss an das Gute glauben, auch wenn es nicht in allen Details der Realität entspricht. Das ist die Prämisse zu folgendem…

Kommentar von Andreas Wiemers

Neil Armstrong landete beispielweise am 21. Juli 1969 seine Mondlandefähre auf den letzten Metern per Handsteuerung auf dem Mond. Das war ungefähr so schwierig, wie auf der Erde mit einem klapprigen Mofa eine steile Geröllhalde herunter zu fahren. Nicht ganz einfach – aber es geht. Armstrong hat so Geschichte gemacht.

Bei der Eurokrise sollten wir es Neil Armstrong nachtun. Zumal auch Angela Merkel selbst schon gezeigt hat, dass sie weis, wie es geht. Es war im Jahr 2006 und ganz Deutschland erfreute sich an einer prima Fußballweltmeisterschaft. Angela Merkel nutze die vier Wochen, die das Turnier dauerte, um eine ansehnliche Reihe superkomplizierter und unbeliebter Gesetze durch den Bundestag zu bringen. Darunter waren so fiese Dinger wie eine Gesundheitsreform oder eine ebenfalls nur schwer zu vermittelnde Föderalismusreform.

Beherzt wie skrupellos hat die Kanzlerin damals die Chance beim Schlafittchen gepackt und ihre hässlichen Gesetze eingetütet. Parallel zu Viertel- und Halbfinale hat das schon damals keinen gestört. Am Schluss wurde Deutschland gegen Portugal Dritter. Und wir waren alle froh, dass wir ein paar Polit-Probleme weniger hatten.

So machen wir es am kommenden Wochenende auch. Nachdem Deutschland am Donnerstagabend das Spiel gegen Italien gewinnt, trommelt das Kanzleramt für Sonntagmorgen ein paar Staatschefs zusammen. Sie gründen die United States of Europe. Früher oder später gründen wir die ja sowieso. Alle haften für alle und alle versprechen, sich gut zu benehmen.  Am Nachmittag stimmt der Bundestag dem Gesetz zu. Kurz vor dem Anpfiff vom Endspiel unterschreibt der Bundespräsident.

Wir haben dann einen Haufen Schulden mehr, weniger Rente, weniger Geld für Bildung, Erziehung, Arbeitslose, Strassen und Bundeswehr. Aber am Sonntagabend, gegen 23:20 Uhr, ist Deutschland nach gewonnenem Elfmeterschießen Fußballeuropameister. Und die Eurokrise geht uns nicht mehr auf die Nerven. Denn sie ist vorbei. Wir können schön feiern und uns danach anderen wichtigen Dingen widmen.

Zum Beispiel dieser Quatschidee mit dem Betreuungsgeld. Das knüpfen wir uns gleich am Montagmorgen vor. Auf geht´s!

 

Foto: antrobius