#THF100 – Mein Plädoyer für die grüne Wiese.

 

Ja, wir brauchen mehr günstigen Wohnraum in Berlin. Aber: Die Pläne des Senats für das Tempelhofer Feld sind zynisch und schamlos. Die Berliner sollten sich nicht von der SPD veräppeln lassen.

Von Wolf-Christian Ulrich

Irgendwo müssen die Wohnungen ja hin!“, sagt der Taxifahrer. Stimmt! Aber nicht in den Park. Here’s why.
Die steigenden Mietpreise in Berlin gehen zum Teil klar aufs Konto der Politik.
Die Lösung dafür sind leider nicht Wohnungen und Gewerbeflächen (!) in einem Park.
Die Geschichte ist ein bisschen komplizierter.

Das sollte man wissen, bevor man abstimmt:

Das Land Berlin verkauft seit Jahren im gesamten Stadtgebiet Flächen, die dem Land gehören – und damit übrigens uns allen in Berlin.

Wäre die SPD wirklich an sozialem Wohnungsbau interessiert gewesen, hätte sie folgendes getan: Sie hätte diese Grundstücke für einen fairen Preis an städtische Wohnungsbaugesellschaften verkauft – mit der Auflage, dort günstige gute Wohnungen zu bauen.
Das hätte zwei große Vorteile gehabt: Es hätte inzwischen viele bezahlbare Wohnungen gegeben. Und: Die Stadt hätte so über den Mietspiegel Einfluss auf die Mieten in den betroffenen Kiezen.

Doch die SPD hat diese intelligente Politik versäumt. Was sie getan hat, ist dies:

Das Land Berlin hat jahrelang Grundstücke zu Höchstpreisen an Investoren verhökert.
Teure Flächen brauchen hohe Mieten, damit sich so ein Geschäft lohnt.
Statt bezahlbarer Wohnungen entstanden deshalb Edel-Büroflächen und Luxuswohnungen.

Das ganze hängt mit den Schulden des Landes Berlin zusammen. Das Land wollte über die teuren Grundstücke möglichst viel Geld verdienen, um die Schulden aus dem Berliner Bankenskandal bezahlen zu können.

Die traurige Rechnung:
– Mit dem Verkauf der Flächen hat das Land 1,8 MRD Euro eingenommen.
– Der Schuldenstand von 63 MRD Euro wurde damit nicht annähernd gelindert.
   (An dieser Grafik wird das noch einmal anschaulich erklärt.)

– Dazu hat das Land Berlin unter der Wowereit-SPD teure Mieten in der Stadt produziert.
– Sie hat wichtigen Einfluss auf die Stadtplanung abgegeben.
– Sie hat viel zu wenig für den sozialen Wohnungsbau getan.

Und jetzt redet die SPD von „statt Stillstand“. Nun, Stillstand ist das, was die SPD-Wohnungsbaupolitik auszeichnet. In diesem Zusammenhang sei noch daran erinnert, dass Wowereit mit dem Flughafendesaster derzeit Milliarden Euro verbrennt – die dem sozialen Wohnungsbau dringend fehlen.

Ein letztes Wort zur sogenannten Randbebauung.

Es geht nicht nur um den „Rand“ des Parks. Die Pläne reichen vor allem auf Neuköllner Seite weit in den Park hinein.
Es geht auch nicht nur um Wohnungsbau. Etwa die Hälfte der Gebäude sollen Gewerbegebiete sein. Also Platz für Unternehmen im öffentlichen Park.

Das Tempelhofer Feld gehört allen Bürgern. Es muss allen Bürgern komplett zugänglich bleiben. Wenn die SPD nun tönt, auch der soziale Wohnungsbau gehöre in die Mitte der Stadt, dann fragt sie doch mal, warum sie erst jetzt auf diese Idee kommt. Warum am Alexanderplatz teure Luxusbauten entstehen oder ein hässliches Einkaufszentrum. Und so weiter.

Ich bin nicht für eine Politik, die erst öffentliche Flächen zu Höchstpreisen an Luxusinvestoren verhökert, um dann den Leuten zu erzählen, man brauche einen Park für den sozialen Wohnungsbau. Das ist zynisch und schamlos.

Es kann nicht sein, dass die Fehlplanung der SPD nun dafür sorgt, dass Parks zugekleistert werden. Der Senat muss dringend ein schlüssiges Konzept für den sozialen Wohnungsbau in der Mitte der Stadt präsentieren. Die Stadt HAT andere Flächen, auch zentral, die noch nicht meistbietend verschleudert sind. Der Park wird nicht gebraucht.

Ich bin für ein freies Tempelhofer Feld. Deshalb stimme ich am Sonntag: oben ja, unten nein.

 

Animation und Redaktion: Maximilian Pecher
In Zusammenarbeit mit: Open Berlin; Rocco Zühlke, Felix Zaiß (O-Ton)
O-Ton: Stadt Neudenken; Leonie Baumann
Sprecher: Peter Koziel

Foto:
Wolf-Christian Ulrich